Alle Beiträge von Redaktion

THE MAKING OF @ Fondation Beyeler

Die Sommerausstellung der Fondation Beyeler kann ausnahmsweise schon während des Aufbaus besucht werden. Jeden Tag werden weitere Kunstwerke ausgepackt und aufgebaut und Installationen getestet und in Betrieb genommen. Zwischen dem 22. April und dem 18. Mai 2024 können die Besuchenden dem Making-of der Sommerausstellung beiwohnen und einen Blick hinter die Kulissen werfen. Es ist eine seltene Gelegenheit, die Ausstellungsvorbereitungen der Künstler:innen und ihrer Teams hautnah mitzuerleben.

SOMMERAUSSTELLUNG
19. MAI BIS 11. AUGUST 2024

Zum ersten Mal in der mehr als 25-jährigen Geschichte der Fondation Beyeler werden das gesamte Museum und der umliegende Park zum Schauplatz einer experimentellen Präsentation zeitgenössischer Kunst. Mit Beiträgen von Michael Armitage, Anne Boyer, Federico Campagna, Ian Cheng, Chuquimamani-Condori und Joshua Chuquimia Crampton, Marlene Dumas, Frida Escobedo, Peter Fischli, Cyprien Gaillard mit Victor Man, Dominique Gonzalez-Foerster, Wade Guyton, Carsten Höller mit Adam Haar, Pierre Huyghe, Arthur Jafa, Koo Jeong A, Dozie Kanu, Cildo Meireles, Jota Mombaça, Fujiko Nakaya, Alice Notley, Precious Okoyomon, Philippe Parreno, Rachel Rose, Tino Sehgal, Rirkrit Tiravanija, Ramdane Touhami und Adrián Villar Rojas. Die Ausstellung versteht sich als ein «lebender Organismus», der sich verändert und wandelt.

When We See Us – Hundert Jahre panafrikanische figurative Malerei

Kunstmuseum Basel | Gegenwart

25.05.2024 – 27.10.2024

Wie haben Künstler:innen des afrikanischen Kontinents und seiner Diaspora den Alltag in den letzten 100 Jahren erlebt und künstlerisch verarbeitet? Um diese Frage zu beantworten, unternahmen Koyo Kouoh, Direktorin des Zeitz MOCAA im südafrikanischen Kapstadt, und Tandazani Dhlakama, Kuratorin am Zeitz MOCAA, eine intensive Recherche. Das Resultat ist eine umfassende Schau mit Werken von 156 Künstler:innen. Im Frühsommer kommt sie ins Kunstmuseum Basel. Koyo Kouoh, Tandazani Dhlakama und Maja Wismer, Kuratorin für Gegenwartskunst am Kunstmuseum Basel, erzählen, warum die Ausstellung wichtig ist. When We See Us – Hundert Jahre panafrikanische figurative Malerei weiterlesen

The End of Aging – Das Streben nach Unsterblichkeit

Kulturstiftung Basel H. Geiger

03.05.2024 – 21.07.2024

Michael Schindhelm beleuchtet in der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G kontrovers die Frage nach der möglichen Verlängerung des Lebens.

Das Thema der Unsterblichkeit beschäftigt die Menschheit seit eh und je. Dank Fortschritten in der Medizin und der Biotechnik steigt die Lebenserwartung ständig. Es gibt Theorien, die besagen, der Mensch, der 150 Jahre alt wird, sei bereits geboren. Auch in der Schweiz gibt es bereits Kliniken, die mit ihren Therapien eine Verlängerung des Lebens garantieren wollen. Es zeichnet sich ab, dass hier ein neuer Markt entsteht, der in den nächsten Jahren
Milliarden generieren wird.

Doch was hat The End of Aging – so der Titel der Ausstellung in der KBH.G – für Folgen für die Gesellschaft? Ist eine solche Steigerung der Lebenserwartung überhaupt sinnvoll und wer entscheidet, wann das Leben eben doch sein Ende findet? Michael Schindhelm geht diesen und anderen Fragen in einer interdisziplinären, multimedialen Ausstellung nach. Der studierte Quantenchemiker wirkte von 1996 bis 2006 als Intendant des Theaters Basel. Seither ist er als Kulturmanager, Autor und Filmemacher tätig. Im Sommer hatte seine jüngste Dokumentation über den Hongkonger Museumskomplex M+ von den Architekten Herzog und de Meuron in Basel Premiere. Für seinen Film Mit Lichtgeschwindigkeit zum Impfstoff über das Projekt BioNTech wurde Schindhelm im vergangenen Jahr unter anderem mit dem renommierten Herbert Quandt Medien-Preis ausgezeichnet.

Nach 18 Jahren kehrt Michael Schindhelm wieder nach Basel zurück. Er realisiert hier nach zweijähriger Vorbereitungszeit ein zweiteiliges Projekt, das mit The End of Aging im Mai eröffnet wird und das Ende August mit Roots seine Fortsetzung findet. 

Für The End of Aging verwandeln sich die Räume der KBH.G in ein verlassenes Spital. Video- und Audioarbeiten konfrontieren die Besucherin und den Besucher mit fiktiven alterslosen Zeugen, die ihren Zustand beschreiben. In fiktiven Kurzfilmen wirken unter anderem Tabitha Frehner, Urs Baur alias Black Tiger, Graham Valentine, Jürg Kienberger und die Kinderschauspielerin Hana Motokura mit. 

Bekannte Forscherinnen und Forscher wie der Nobelpreisträger Venki Ramakrishnan oder Fiona Marshall, President of Biomedical Research bei Novartis, berichten über den aktuellen Stand der Forschung zur Verlängerung des Lebens und wie die weitere Entwicklung aussehen könnte.

Für das Projekt arbeitet Michael Schindhelm mit verschiedenen namhaften Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und Institutionen zusammen, darunter das Biozentrum Basel, die Universität Basel, die FHNW, Novartis, aber auch das HEK. Es ist ihm nicht zuletzt wichtig, aufzuzeigen, dass Basel zu den Top-Lifesciences-Standorten der Welt gehört. Eine Tatsache, der sich viele Baslerinnen und Basler gar nicht richtig bewusst sind. Entsprechend wichtig ist ihm deshalb auch das Begleitprogramm zur Ausstellung, das Symposien, Vorträge und Talks beinhaltet, die auch ausserhalb der KBH.G stattfinden.

Transform! Design und die Zukunft der Energie

Vitra Design Museum

23.03.2024 – 01.09.2024

Energie ist der zentrale Motor unserer Gesellschaft, Energie ist politisch, Energie ist unsichtbar. Alle Gebäude, Infrastrukturen und Produkte zur Erzeugung, Verteilung und Nutzung von Energie werden von Menschen gestaltet. Design spielt daher in der aktuellen Energiewende eine wichtige Rolle. Die Ausstellung Transform! Design und die Zukunft der Energie widmet sich der radikalen Transformation des Energiesektors aus der Designperspektive: vom Alltagsprodukt für die Nutzung erneuerbarer Energien bis zur Gestaltung von Solarhäusern und Windkraftanlagen, vom intelligenten Mobilitätskonzept bis zur Zukunftsvision energieautarker Städte. Dabei beleuchtet und hinterfragt die Ausstellung den weltweiten Energiehunger. Wie kann Design dazu beitragen, erneuerbare Energien stärker zu nutzen und den Energieverbrauch zu senken? Was müssen Industrie und Politik, was können wir alle zum Gelingen der Energiewende beitragen? Um den weltweiten CO2-Ausstoss zu reduzieren und den Klimawandel zu stoppen, ist eine Abkehr von fossilen Energieträgern notwendig. So wie die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern unseren Alltag bis ins kleinste Detail geprägt hat, wird auch die schrittweise Umstellung auf erneuerbare Energien unser Leben in Zukunft beeinflussen. Design spielt dabei eine zentrale Rolle, denn jegliche Infrastruktur für die Energiewende wird entworfen und durchdacht: Design vermittelt dabei zwischen Naturwissenschaft, Forschung und EndverbraucherInnen und zeigt, wie neue Technologien sinnvoll und benutzerfreundlich eingesetzt werden können. Design ermöglicht auch die Visualisierung von Ideen und simuliert die zukünftige Energienutzung in Städten und auf globaler Ebene. Die Ausstellung Transform! Design und die Zukunft der Energie beginnt mit dem Fokus auf den Menschen und den menschlichen Körper und weitet dann den Blick vom Haus über die Stadt bis hin zur Frage, wie ganze Energielandschaften aussehen können. So versammelt die Ausstellung unter anderem verschiedene Produkte, Prototypen und Experimente für das Leben «off-grid», also für die netzunabhängige Nutzung erneuerbarer Energien: Pauline van Dongen integriert Fotovoltaik in Kleidung. Der Hydrogen Cooker von Stefan Troendle ist ein Prototyp einer Kochvorrichtung, die mit Wasserstoff betrieben wird. Die Strassenlaterne Papilio von Tobias Trübenbacher versorgt sich durch ein integriertes Windrad selbst mit Energie. Die Hängeleuchte Sunne von Marjan van Aubel ist solarbetrieben und ahmt mit ihrem atmosphärischen Licht das Sonnenlicht von Aufgang bis Untergang nach. Die Ausstellung macht deutlich, dass neben dem Ausbau erneuerbarer Energien auch die intelligente Gestaltung von Alltagsgegenständen sowie die Visualisierung von städtebaulichen und infrastrukturellen Zukunftsideen einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Diese ganzheitliche Betrachtung aus der Design-Perspektive ermöglicht nachhaltige Lösungen, die Energieeinsparungen für jeden Einzelnen beinhalten. Die damit verbundene Reduzierung des weltweiten Energieverbrauchs und die Neugestaltung unseres energieintensiven Lebensstils sind dringende Herausforderungen, denen sich ArchitektInnen und GestalterInnen weltweit stellen. ◀

Dan Flavin. Widmungen aus Licht

Kunstmuseum Basel | Neubau
02.03.2024 – 18.08.2024

Die umfangreiche Sonderausstellung Dan Flavin. Widmungen aus Licht im Kunstmuseum Basel | Neubau zeigt einen Pionier der Minimal Art: Der US-amerikanische Künstler Dan Flavin (1933–1996) wurde Anfang der 1960er-Jahre für seine Arbeit mit industriell hergestellten Leuchtstoffröhren bekannt. Anhand von 58 Werken, von denen einige noch nie in der Schweiz zu sehen waren, wird sein einzigartiges Œuvre beleuchtet. Ein Fokus liegt dabei auf Werken, die Flavin Personen oder Ereignissen widmete. Es ist die erste grosse Schau des Künstlers in der Schweiz seit zwölf Jahren.

Dan Flavin, der in Queens, New York, in einem irisch-katholischen Haushalt aufwuchs, schuf eine neue Kunstform und schrieb damit Geschichte. Der Autodidakt löste mit seinen Werken aus Licht die Farbe aus dem Kontext der Malerei und übertrug sie in den dreidimensionalen Raum. Seine Entscheidung, kommerzielle Leuchtkörper zu verwenden und so aus einem alltäglichen Nutzgegenstand Kunst zu machen, ist heute noch radikal und sorgte auch unter seinen Zeitgenoss:innen für Aufsehen. Nach Flavins ersten Ausstellungen der Lichtarbeiten in New York zeigten sich Künstler:innen und Kunstkritiker:innen begeistert von seinem Purismus, der Faszination seiner «gasförmigen Bilder» (ein Begriff, den der Künstler auch selbst gerne verwendete) und der Unmittelbarkeit ihrer glühenden Präsenz.

Seine Werke aus Leuchtstoffröhren erinnern an Fabrikhallen, Schnellrestaurants oder Parkplätze. Vorsätzlich nutzte der Künstler diesen Effekt und die reduzierte Farbpalette, die durch die Herstellungsweise der fluoreszierenden Leuchtkörper vorgegeben wurde: Blau, Grün, Rot, Pink, Gelb, Ultraviolett und vier unterschiedliche Weisstöne. Aus einzelnen Leuchten und einfachen geometrischen Anordnungen wurden mit der Zeit komplexe architektonische Arbeiten und vielteilige elaborierte Serien. Flavin verneinte vehement, dass seine Werke Skulpturen oder Gemälde seien und charakterisierte diese lieber als «Situationen». In seinen Schriften und anderen Äusserungen betonte er zudem die Sachlichkeit seines Werks. Flavins kompromisslose Beschränkung auf die Arbeit mit einem industriell hergestellten Objekt und die Serialität seiner Werke rechtfertigen eine Einordnung seines Schaffens in die Minimal Art. Als Hauptprotagonisten dieser Kunstrichtung gelten neben Flavin Carl Andre, Donald Judd, Sol LeWitt und Robert Morris – wobei jeder dieser Künstler sich mehr oder weniger deutlich gegen diese Einordnung zu wehren pflegte. 

Flavin propagierte eine Kunst, die keine tiefe psychische und spirituelle Wirkung entfaltet, sondern im Vorbeigehen wahrgenommen werden sollte. Trotzdem haben Kunstkritiker:innen darauf hingewiesen, dass man in seinem Werk durchaus metaphysische Qualitäten entdecken kann. Dem setzte er sein ironisch vorgetragenes Diktum «It is what it is and it ain’t nothin’ else» entgegen. 

Auffällig ist jedoch, dass Flavin sein Leben lang die Praxis der Widmung pflegte und seine Werke oft in sentimentaler, pathetischer Art und Weise mit Menschen oder Begebenheiten verknüpfte. Die ab 1963 entstehenden Installationen in fluoreszierendem Licht sind vielfach Künstlerfreunden wie Jasper Johns, Sol LeWitt oder Donald Judd gewidmet. Aber auch Künstler der Moderne wie Henri Matisse, Vladimir Tatlin oder Otto Freundlich tauchen in Flavins Werktiteln auf. Die Dedikationen schaffen einen Gegenpol zur Anonymität des Materials. Durch die derart erweiterten Titel verankerte Flavin die nicht­erzählerischen, unpersönlichen Arbeiten in einem spezifischen ästhetischen, politischen und sozialen Kontext. So gibt es auch
Arbeiten, die an Kriegsgräuel erinnern und im Kontext von Flavins klarer Positionierung gegen den Krieg in Vietnam zu lesen sind. 

Nicht minder beachtenswert sind jene Werke, die Flavin Personen widmete, mit denen er arbeitete. Als Beispiel zieht die Ausstellung das Werk untitled (to you, Heiner, with admiration and affection) bei, das dem legendären deutschen Kunsthändler Heiner Friedrich gewidmet ist. Bei dem Werk aus der Pinakothek der Moderne in München handelt es sich um eine sogenannte «barrier», einen Typus, den Flavin entwickelte, um einen Teil des Ausstellungsraumes für die Besuchenden abzugrenzen. Die vielgestaltigen Widmungen schaffen eine emotionale Dimension und zeigen Flavins künstlerisches, literarisches und persönliches Bezugssystem auf. Es ist ein zentrales Anliegen der Ausstellung im Kunstmuseum Basel, diese Dimensionen seines Schaffens offenzulegen.

Eine Basler Geschichte

Im Innenhof des Kunstmuseums Basel | Hauptbau befindet sich seit 1975 Flavins ortsspezifisches Werk untitled. In memory of Urs Graf. Es geht zurück auf eine Ausstellung Flavins, die 1975 in der Kunsthalle Basel und dem Kunstmuseum Basel gleichzeitig ausgerichtet wurde. In der Vorbereitung darauf hatte Flavin sich für Urs Graf zu begeistern begonnen. Heute kann man sich den Innenhof nicht mehr ohne das atmosphärisch höchst wirkungsvolle Spiel des rosa, gelben, grünen und blauen Lichts vorstellen. Doch noch in den späten 1970er-Jahren bestand innerhalb der Kunstkommission des Museums Uneinigkeit darüber, ob das Werk an Ort und Stelle verbleiben sollte. Erst die Schenkung der Arbeit durch die Dia Art Foundation gab hier den Ausschlag. Einschalten wollte man die Lampen jedoch lange Zeit trotzdem nicht. Diese Episode kann als Beispiel dafür dienen, dass eine radikale Wandlung der Wahrnehmungsgewohnheiten und Meinungen nicht ohne weiteres herbeizuführen war. Dan Flavin. Widmungen aus Licht weiterlesen

Geniale Frauen – Künstlerinnen und ihre Weggefährten

Kunstmuseum Basel | Hauptbau
02.03.2024 – 30.06.2024

Im Norden wie im Süden Europas gab es zwischen 1500 und 1800 weit mehr Malerinnen, Lehrerinnen, Verlegerinnen und Grafikerinnen, als man es vermuten würde. Einige waren gar über die Massen erfolgreich. Doch auch wenn eine Karriere als Künstlerin nicht gänzlich unmöglich war, war sie gesellschaftlich nicht vorgesehen und nur unter besonderen Bedingungen zu realisieren. Die Ausstellung Geniale Frauen zeichnet anhand von rund 100 Werken den Werdegang einzelner Künstlerinnen durch pointierte Gegenüberstellungen mit Werken ihrer Väter, Brüder, Ehemänner und Konkurrenten nach und bettet sie in den Kontext der vormodernen Jahrhunderte ein. Im konzentrierten Vergleich werden auf faszinierende Weise gestalterische und inhaltliche Entsprechungen und Abweichungen sichtbar. Auch werden soziale wie familiäre Hintergründe beleuchtet.  Geniale Frauen – Künstlerinnen und ihre Weggefährten weiterlesen