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Editorial: Kunst ist …

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely und Kurator der Ausstellung Lois Weinberger – Debris Field. In dieser Ausstellungsreihe treten unterschiedliche Künstler*innen in Dialog mit Jean Tinguelys Mengele Totentanz.
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely 

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde

Wir freuen uns sehr, unsere Türen wieder für Besucherinnen und Besucher zu öffnen. Kunst und Kultur leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Wohle aller – Kunst ist das Salz in der Suppe, das Schmiermittel und der Sand im Getriebe. Und manchmal darf sie auch die Kirsche auf der Torte sein. 

Kunst ist Leben (und Tod)

Kunst ist Bildung (und Distinktion)

Kunst vermittelt Werte und Menschlichkeit

Kunst ist ganzheitlich

Kunst ist ästhetisch

Kunst ist sinnlich

Kunst ist Gemeinschaft und Partizipation

Kunst ist universell

Kunst ist individuell

Kunst ist freiheitlich

Kunst ist kritisch

Kunst schreibt Geschichte

Kunst ist Erinnerung

Kunst ist Zufall

Kunst ist schöpferische Zerstörung

Kunst ist Innovation

Kunst ist Anarchie

Kunst ist Achtsamkeit

Kunst ist öffentlich

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Sophie Taeuber-Arp – Gelebte Abstraktion

Kunstmuseum Basel | 20.03.2021 – 20.06.2021

Die Autorin, Dr. Eva Reifert, ist Kuratorin für 19. Jahrhundert und Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel und hat die hat die Ausstellung Kosmos Kubismus kuratiert.
Die Autorin, Dr. Eva Reifert, ist Kuratorin der
Ausstellung «Sophie Taeuber-Arp. Gelebte Abstraktion» am Kunstmuseum Basel.

Im Kunstmuseum Basel ist ab März eine Retrospektive von Sophie Taeuber-Arp mit dem Titel Gelebte Abstraktion zu sehen. Mit dieser Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit dem Museum of Modern Art, New York, und der Tate Modern, London, entsteht, wird die Schweizer Künstlerin endlich dem internationalen Publikum vorgestellt.

Taeuber-Arp hat nach einer kunsthandwerklichen Ausbildung Kissen, Ketten, Möbel und ganze Räume mit farbigen, abstrakten Formen gestaltet und diese Gestaltungselemente in den 30er-Jahren dann auch in konstruktivistische Gemälde, Reliefs und Zeichnungen übertragen. 

Die mit 250 Exponaten hohe Anzahl von Werken wird auf rund 900 Quadratmetern im zweiten Obergeschoss des Neubaus die Vielfalt von Taeuber-Arps Schaffen vermitteln. Dass Taeuber-Arp die beiden sonst gerne fein säuberlich getrennten Welten von angewandter und freier Kunst in ihrem Schaffen überbrückt, sorgt dabei für überraschende und im Kunstmuseum Basel nicht unbedingt oft gesehene Gäste wie Perlbeutel, Holzgefässe und Glasfenster. Die Münchner Szenografin Juliette Israel hat eine durchdachte Ausstellungsarchitektur entwickelt, um die Bandbreite an künstlerischen Materialien und die oft nicht sehr grossen Werke optimal zur Geltung zu bringen. Sie lässt schwarze und weisse Flächen ineinandergreifen und bezieht sogar den Fussboden des Museums mit ein: So entsteht der perfekte Rahmen für die starkfarbige, avantgardistische Formensprache Taeuber-Arps.

Zwei Filmproduktionen ergänzen die Präsentation der Werke in wichtigen Aspekten. Zum einen werden die Marionetten, die Taeuber-Arp um 1918 für die Aufführung eines adaptierten Commedia-dell’arte-Stücks entworfen hat, in Aktion erlebbar. Zum anderen wird das abstrakte Schaffen der Künstlerin mit einer Vielzahl historischer Fotos, die aus jeder Lebensphase Taeuber-Arps erhalten sind, zu einem biografischen Überblick verschränkt. Beide Filme helfen so, Taeuber-Arps besondere, lebensnahe und bewegte Auffassung der Abstraktion im Ausstellungsraum zu veranschaulichen.  

Dass Exponate im Museumskontext nicht mehr benutzt werden können, scheint bei einer Halskette oder einem Kissen verkraftbar. Bei den Marionetten aber vermisst man die Bewegung, für die sie geschaffen wurden, selbst wenn ihre Posen noch so gut gewählt sind. Ein vom Basler Marionetten Theater vermittelter exzellenter Puppenführer hauchte den historischen Figuren (bzw. deren Ausstellungskopien) Leben ein. Die beiden erfahrenen Filmemacherinnen Anita Hugi und Marina Rumjanzewa, die sich beide seit Jahren für Taeuber-Arps Schaffen interessieren, stellen mit seiner Hilfe sechs der Marionetten mit ihrem besonderen Bewegungsrepertoire vor. Stellenweise verdichtet sich das Geschehen zu narrativen Zusammenhängen, die an die historische Vorlage erinnern. 

Taeuber-Arps Schaffen besitzt in allen Formen und Phasen Leichtigkeit und innere Bewegung. Die Werke der 30er-Jahre mit ihren Farbkonstellationen aus Quadraten, Kreisen und stürzenden Diagonalen werden viele heutige Betrachter intuitiv jedoch erst einmal dem Elfenbeinturm der Abstraktion zuordnen. Der eine oder die andere mag sich fragen, warum farbige Kreise auf
einer weissen Leinwand Kunst sein sollen. Umso wichtiger ist es, die Kunst in der Ausstellung immer wieder ans Leben zurückzubinden, ihr Kontext zu geben und die unerhörte Neuheit der Abstraktion spürbar werden zu lassen, die am Vorabend des Zweiten Weltkriegs bereits mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft aufgeladen war. Die Videomontage, die Herbert Schwarze und Maria Hermann mit überlieferten historischen Fotos und Briefzitaten der zu früh aus dem Leben gerissenen Künstlerin geschaffen haben, gibt einen Eindruck von Beziehungen und Lebensumständen.  Sie erinnert daran, dass sich das Schaffen Taeuber-Arps trotz einer labilen Gesundheit und vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe politischer und sozialer Umwälzungen entfaltete – dem Ersten Weltkrieg, der Pandemie der Spanischen Grippe, der Weltwirtschaftskrise und der Flucht vor der Besetzung von Paris durch Nazi-Truppen.

Dass sie dennoch immer weitergearbeitet hat, erscheint in der gegenwärtigen Situation noch relevanter. Das direkte Nebeneinander von Kunsthandwerk und freier Kunst und die Tatsache, dass man beides manchmal eben nicht genau voneinander trennen kann, ist, neben der Narration von Taeuber-Arp als einer Pionierin der Abstraktion, einer der inhaltlich reizvollsten Aspekte der Retrospektive. Der Überblick über ihr Schaffen, den die Retrospektive im Kunstmuseum Basel gibt, berührt dabei allgemeinere Entwicklungen – etwa die hohe Anerkennung, die das Kunsthandwerk um die Jahrhundertwende als Gegenentwurf zur industriellen Revolution genoss, oder die grossen Reformimpulse für eine Modernisierung des Lebens, die von Designern und Designerinnen in ganz Europa ausgingen. Mit Taeuber-Arps Werken wurde gelebt, sie wurden gebraucht, in mehrfacher Hinsicht. Viele ihrer frühen Arbeiten sind nicht mehr auffindbar und womöglich verloren, weil sie als Gegenstände des Alltags benutzt und abgenutzt wurden. Die Kooperation mit der in Basel und London ansässigen Künstlerin Céline Manz erkundet diese Grauzone zwischen Kunst und Gebrauchsgegenstand, und das an einem ebenso perfekten wie provokativen Ort: dem Museumsshop. Céline Manz setzt sich seit Jahren mit Taeuber-Arps Leben und Arbeiten auseinander und adaptiert deren abstrakte Motive für neue Zusammenhänge. Dass sie nun Teller entworfen hat und Geschirrtücher (Unikate!) im Shop zum Verkauf anbietet, bringt Taeuber-Arps Ideenwelt zurück in den Kreislauf von Kunst im alltäglichen Gebrauch, in dem sie ursprünglich standen. Wer möchte, kann darin auch einen ironischen Kommentar darauf sehen, dass das Todesregister der Stadt Zürich als Beruf Taeuber-Arps «Hausfrau» angab.

Mord, Liebe und Kunst im Herzen von Paris

Impasse Ronsin – Museum Tinguely – bis 9. Mai 2021

Adrian Dannatt ist Co-Kurator der Ausstellung

Von Adrian Dannatt

Was also ist die Impasse Ronsin? Hundert Jahre lang war diese Sackgasse im Pariser Montparnasse- Quartier die Heimat zahlreicher Künstler*innen, deren berühmtester Vertreter, Constantin Brâncuşi, von 1916 bis zu seinem Tod im Jahre 1957 hier lebte und arbeitete. Doch fanden sich auch viele weitere, zum Teil nicht minder bekannte Kunstschaffende hier ein: Max Ernst, Isamu Noguchi, Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely, der dort mit Yves Klein Skulpturen kreierte, Julio Gonzalez, Les Lalanne, Larry Rivers, William Copley und alle von Marcel Duchamp bis Jasper Johns, die diesen Ort besuchten und hier Werke schufen. Heute existiert die Impasse Ronsin nur noch als Pariser Strassenschild im charakteristischen Weissblau. 1971 wurden die letzten Reste der Künstler*innen-Kolonie schliesslich abgerissen und durch das Hôpital Necker ersetzt. 

Die Impasse war auch Schauplatz eines der berüchtigtsten Verbrechen des 20. Jahrhunderts. Denn unter den 1908 hier lebenden Künstler*innen befand sich auch der mässig erfolgreiche Maler Alfred Steinheil, dessen aparte Frau nicht nur eine bekannte Gastgeberin der Pariser Gesellschaft, sondern auch die verrufene Liebhaberin des französischen Präsidenten Félix Faure war, der angeblich infolge exzessiven erotischen Vergnügens in ihren Armen verstarb. Nachdem sie möglicherweise den Präsidenten getötet hatte, beteiligte sich Madame Steinheil womöglich an der Ermordung ihres leidgeprüften Ehemanns und ihrer eigenen Mutter, die man stranguliert in der Familienvilla auffand. Eine Impasse kann auch eine Sackgasse im übertragenen Sinn sein, ein ‹totes Ende› sozusagen. In dieser versteckten Gasse schossen bereits in den 1870ern notdürftig gezimmerte, hüttenartige Kunstateliers wie Pilze aus dem Boden. Doch erst ab 1900 wurde sie zur quasi offiziellen Kolonie für Kunstschaffende, nicht zuletzt im Rahmen der Arbeit an der Weltausstellung, die auch als Quelle für Holz und andere Materialien für den Bau weiterer Ateliers diente. Die komplette Liste aller Impasse-Künstler*innen (insgesamt über 200) fasziniert aufgrund der vielfältigen Herkunftsorte und Hintergründe und birgt in sich die ganze Bandbreite von Anonymität bis Prominenz und von Bestrebung bis Vergessenheit. Da waren die Bildhauer Fidencio Lucano Nava aus Mexiko und Mahmoud Mokhtar aus Ägypten, die Malerin Hanna Ben Dov aus Israel, Marta Minujín aus Argentinien, Henryk Berlewi, eine Leitfigur des polnischen Modernismus, die Bildhauerin Juana Muller aus Chile und kurzzeitig sogar die vietnamesische Seidenmalerin Ly Hoang Bui. Dank Brâncuşi gab es auch eine Ansammlung rumänischer Künstler und vor allem Künstlerinnen, die alle von Natalia Dumitresco bis Irina Codreanu um ihn kreisten. Offenkundig waren sein Ruhm und Talent ein grosser Anziehungspunkt für die dort siedelnden Künstler*innen. Sich damit zu brüsten, im selben Atelier-Dorf wie Brâncuşi gearbeitet zu haben, erwies sich als unwiderstehlich. 

Als symbolträchtiges Ende der Impasse könnte Marta Minujíns Destruction Performance gelten. Die gerade mal 20-jährige argentinische Künstlerin benutzte die Impasse für die Verbrennung all ihrer Werke, gleich einer Ein-
äscherung der gesamten hundertjährigen Geschichte dieses Ortes. Beständigstes und besonders eindrucksvolles Zeugnis der Impasse ist natürlich Brâncuşis Atelier, das heute auf dem Platz vor dem Centre Pompidou steht. Bezeichnenderweise befindet sich am gegenüberliegenden Flügel des Pompidou ein Brunnen von zwei Nachbar*innen Brâncuşis, Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle, wodurch eine schöne ‹Ronsinische› Symmetrie mit Brâncuşis Atelier entsteht. 

Warum jetzt eine Ausstellung zur Impasse Ronsin in Basel? Natürlich kam Brâncuşi auf seinem langen Weg nach Paris auch durch Basel, und Tinguely selbst wie auch seine beiden Ehefrauen Eva Aeppli und Niki de Saint Phalle waren Schlüsselfiguren der Impasse. Man könnte diese Ausstellung aber auch als eine Heraufbeschwörung der Welt vor den sozialen Medien bewerben, vor Textnachrichten und Smartphones, als man beim benachbarten Atelier an die Tür klopfte oder zum Eck-Café mit dem einen Telefon und den vergnüglich Trinkenden lief, um sich mitzuteilen. Aktueller, schmerzlicher ist die Schau vielleicht eine Art Andenken an die vertraulich alltägliche Geselligkeit jeder Künstler*innen-Kolonie, ein Ideal dieses fröhlichen Bohème-Lebens vor Corona, eine rohe nostalgische Sehnsucht nach unserem präpandemischen Gemeinschaftsgefühl, nach kreativer Interaktion. Wir befinden uns derzeit in einer Impasse, mehr denn je braucht es ein Dorf.

Museums-Lockdown beenden!

Gerne verbreiten wir die gemeinsame Mitteilung der Museumsdirektorenkonferenz Basel

Basel, 27. Januar 2021

Kultur und kulturelle Bildung wieder zugänglich machen. Museums-Lockdown beenden. Für das geistige Wohl aller!

Museen und Ausstellungshäuser sind zentrale Orte der Bildung, kulturellen Vielfalt und emotionalen Stärkung. In einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft sind sie wichtige Institutionen zur diversen Meinungs- und Identitätsbildung, sie fördern freiheitliches und pluralistisches Denken, bieten Ruhe, Erholung, Inspiration und Fantasie und streben danach, offen für alle, jede und jeden zu sein. Sie sind dadurch wesentliche Träger des Demokratiegedankens. Die Museumsdichte und -vielfalt in der Schweiz zeugen von einem tiefgreifenden Verständnis für die Bedeutung der und einem unbedingten Willen zur Kultur.

Dieses hohe Gut und auch Bekenntnis gilt es zu leben. Gerade jetzt! Museen und Ausstellungen sind in der Auseinandersetzung mit Natur- und Kulturgeschichte, mit Kunst und ihrer Reflexion der Gegenwart ein kritisches Gegenüber und ein Partner, um neuen Situationen und insbesondere Krisen zu begegnen und sie zu reflektieren. Das Erlebnis und die Erfahrung vor dem originalen Exponat – sei es ein Kunstwerk, eine historische Handschrift, ein wissenschaftliches Präparat – kann von keiner noch so gut aufgearbeiteten Online-Präsentation, keinem Blog und keiner virtuellen Führung ersetzt werden. Dies wird deutlich in zahlreichen Rückmeldungen, die unsere Häuser in der aktuellen Zeit erreichen. Ist der physische Zugang begrenzt oder gar verunmöglicht, verkümmern Bildung und Kultur in einer Gesellschaft grundlegend.

Den immer wieder auf die neuesten Forderungen angepassten Schutz- und Hygienekonzepte, die seit Mai 2020 erfolgreich in den Ausstellungshäusern umgesetzt wurden, liegen nun massgebliche Erfahrungen zugrunde. Sie erlauben es, die Museen und Institutionen umsichtig für Besuchende zu öffnen. Diese Häuser verfügen über geschützte öffentliche Räume mit individuellen, differenzierten und dynamischen Schutzkonzepten, die proaktiv umgesetzt und anpasst werden.

Museen und Ausstellungshäuser bieten ausreichend Fläche, um die Distanzregelung in jedem Moment einhalten oder bei Bedarf erhöhen zu können. Eine dezidierte Lenkung des Besucherflusses ist jederzeit möglich und wurde bereits seit Mai 2020 erfolgreich breitflächig umgesetzt. Individuelle Ausstellungs- und Museumsbesuche verursachen keine Ansammlung von Massen. Gerade für die lokale Bevölkerung sind diese Häuser und die Begegnung mit kulturellem Schaffen in diesen sorgenvollen und für viele belastenden Zeiten wichtige Anlaufstellen, ohne einen hohen Grad an öffentlicher Bewegung zu verursachen.

Gemeinsam mit dem Verband der Museen der Schweiz (VMS), dem International Council of Museums (ICOM) Schweiz, der Vereinigung Schweizer Kunstmuseen (VSK), dem Verein Schweizer Institutionen zeitgenössischer Kunst (VSIZK/AISAC) und dem Verband der Naturhistorischen Museen und Sammlungen der Schweiz und Liechtenstein (musnatcoll.ch) bitten wir den Bundesrat eindringlich, eine Wiedereröffnung der Museen und Ausstellungshäuser für den Individualbesuch in der ersten Stufe der Lockerung zu ermöglichen, um weiterhin den zentralen Bildungsauftrag erfüllen und einen wichtigen Beitrag zum geistigen und seelischen Wohl aller leisten zu können.

Die Unterzeichnenden:
Antikenmuseum Basel, Andrea Bignasca

Basler Papiermühle, Britta Graf
Fondation Beyeler, Sam Keller
HeK (Haus der elektronischen Künste Basel), Sabine Himmelsbach
Historisches Museum Basel, Marc Zehntner
Jüdisches Museum der Schweiz, Naomi Lubrich
Kunsthalle Basel, Elena Filipovic
Kunsthaus Baselland, Ines Goldbach
Kunstmuseum Basel, Josef Helfenstein
Museum.BL, Marc Limat
Museum der Kulturen Basel, Anna Schmid
Museum Tinguely, Roland Wetzel
Naturhistorisches Museum Basel, David Alder & Basil Thüring
Pharmaziemuseum, Philippe Wanner
Römerstadt Augusta Raurica, Lilian Raselli
S AM Schweizerisches Architekturmuseum, Andreas Ruby
Schaulager, Heidi Naef
Spielzeug Welten Museum Basel, Laura Sinanovitch
itra Design Museum, Mateo Kries

Impasse Ronsin im Museum Tinguely

Museum Tinguely | 16.12.2020 bis 05.04.2021

Die Impasse Ronsin war während über 100 Jahren im Pariser Montparnasse Quartier ein Ort der Künstler*innen, ein Platz der Kontemplation, der Begegnung, des Gesprächs und der Feier, der Innovation, Kreation und Destruktion. In der Impasse Ronsin wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Siedlung von Atelierbauten errichtet, die die bereits vorher existierenden Gebäude erweiterte und bis zu 35 Kunstschaffenden zeitgleich Platz bot. Ein breites Spektrum künstlerischen Schaffens versammelte sich: vom Bildhauer, der auf Denkmäler und repräsentative Staatsaufträge spezialisiert war, über den Hobbymaler bis zu den jungen Avantgardist*innen, die sich der Aktionskunst hingaben, war fast alles vertreten, was die damalige bildende Kunst zu bieten hatte. Ein Ort, der spätestens 1908 mit dem Fall Steinheil Berühmtheit erlangte. Der ungeklärte Doppelmord rückte die Impasse Ronsin in ein mystisches Licht. Nicht zuletzt nährte auch der prominenteste Vertreter der Siedlung, Constantin Brâncuși, der ein Enthusiast von leidenschaftlichen Affären und Affektmorden war, durch seine eigene Person und die Legenden, die sich um ihn rankten, das Magische der Impasse. Der Künstler lebte und arbeitete dort von 1916 bis zu seinem Tod 1957. Impasse Ronsin im Museum Tinguely weiterlesen

Rodin / Arp in der Fondation Beyeler

Fondation Beyeler | 14.12.2020 bis 16.05.2021
bis 22. Januar 2021: sonntags geschlossen

Raphael Bouvier, Kurator der Fondation Beyeler

Raphael Bouvier, Kurator der Fondation Beyeler

Erstmals in einer Museumsausstellung trifft im Dialog zwischen Auguste Rodin (1840–1917) und Hans Arp (1886–1966) das bahnbrechende Schaffen des grossen Erneuerers der Bildhauerei des späten 19. Jahrhunderts auf das einflussreiche Werk eines Protagonisten der abstrakten Skulptur des 20. Jahrhunderts. Beide Künstler zeichnet eine einzigartige künstlerische Innovationskraft und Experimentierfreude aus. Sie schufen Werke, die ihre Zeit stark geprägt haben und bis heute aktuell geblieben sind. 

Als skulpturale Meilensteine veranschaulichen die Schöpfungen Rodins und Arps auf eindrückliche und exemplarische Weise grundlegende Aspekte in der Entwicklung der modernen Bildhauerei. So führte Rodin umwälzende Ideen und neue künstlerische Möglichkeiten in die Skulptur ein, die von Arp später aufgegriffen und in seinen biomorphen Formen auf neuartige Weise weiterentwickelt und neu interpretiert oder aber kontrastiert wurden. Obgleich bis heute nicht gesichert ist, dass sich Rodin und Arp jemals tatsächlich persönlich kennengelernt haben, weisen ihre Werke zahlreiche künstlerische Verwandtschaften und Bezugspunkte, aber auch Differenzen auf, welche die Gegenüberstellung ihrer unverkennbaren Schöpfungen zu einer besonders aufschlussreichen visuellen Erfahrung machen.

Mit rund 110 Werken aus internationalen Museen und Privatsammlungen ist Rodin / Arp eine der bislang umfangreichsten Skulpturenausstellungen der Fondation Beyeler. Wenn der Schwerpunkt der Ausstellung auch auf Rodins und Arps Skulpturen liegt (dazu gehört auch eine monumentale Aussenskulptur im Park des Museums), werden darüber hinaus auch Reliefs von Arp sowie Zeichnungen und Collagen beider Künstler zu sehen sein. Die Ausstellung versammelt ikonische Werke, so etwa Rodins Der Denker und Der Kuss sowie Arps Ptolemäus und Torso. Zugleich lassen aber auch weniger bekannte Arbeiten beider Künstler deren künstlerische Beziehungen umso anschaulicher werden. 

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Arp Museum Bahnhof Rolandseck und wird vom Musée Rodin in Paris massgeblich unterstützt. 

Mit Bezug auf die Ausstellung Rodin / Arp wird die berühmte Choreographin Anne Teresa De Keersmaeker, eine der einflussreichsten Tanzschaffenden der Gegenwart, eine neue Tanzperformance zeigen, die zwischen dem 29. Januar und 14. Februar 2021 erstmals in der Fondation Beyeler zu sehen sein wird.

Der Löwe hat Hunger … – Sammlungspräsentation

Ulf Küster, Kurator der Fondation Beyeler
Ulf Küster ist Kurator der Sammlungspräsentation
Der Löwe hat Hunger … in der Fondation Beyeler

Wie der Löwe, der sich in Henri Rousseaus Gemälde hungrig auf die Antilope wirft, verspüren auch wir in der Fondation Beyeler einen mächtigen Hunger – und zwar auf Kunst: Gerade in so schwierigen Zeiten wie diesen ist es schön, sich daran zu erinnern, wie aufregend und faszinierend Kunst ist. Die neue Sammlungspräsentation zeigt in acht Räumen eine Auswahl legendärer Gemälde und Skulpturen, allesamt Meisterwerke der klassischen Moderne oder der Gegenwartskunst. Endlich sind die ebenso ikonischen wie fragilen Scherenschnitte von Henri Matisse wieder zu sehen, darunter Nu bleu I, dessen Eleganz und Raumpräsenz einen immer wieder in Erstaunen versetzen. Zudem wird die Figurengruppe, die Alberto Giacometti Ende der 1950er-Jahre ursprünglich für die Chase Manhattan Plaza in New York konzipierte, gezeigt. Der Homme qui marche, lange Zeit auf der 100-Franken-Note abgebildet, ist Teil dieses Ensembles.

Wassily Kandinsky, Fuga, 1914, Fondation Beyeler
Wassily Kandinsky, Fuga, 1914, Fondation Beyeler

Darüber hinaus ist Louise Bourgeois, die mit Giacometti gut bekannt war und die den Skulpturbegriff erweiterte, indem sie das Unbewusste, wenn nicht sichtbar, so doch erfahrbar machte, ein eigener Raum gewidmet. Weitere Höhepunkte sind die Begegnung von Wassily Kandinsky und Paul Klee, deren aussergewöhnliche Freundschaft zum ersten Mal in der Fondation Beyeler in dieser Form gewürdigt wird. Drei sehr berührende Bilder, die Vincent van Gogh kurz vor seinem Tod malte, werden zusammen ausgestellt und treten in einen Dialog mit Werken von Paul Cézanne und Edward Hopper. Auf den Abstrakten Expressionismus richtet sich der Fokus in einem weiteren Raum, in dem Werke von Willem de Kooning, Clyfford Still und Sam Francis sowie ein grossformatiges Gemälde von Joan Mitchell präsentiert werden. Zum ersten Mal zeigen wir eine der jüngsten Neuerwerbungen in der Sammlung der Fondation Beyeler: die bewegende Klanginstallation Seven Tears von Susan Philipsz, die sich auf die gleichnamige Komposition des Shakespeare-Zeitgenossen John Dowland bezieht und sich mit den – von Tränen begleiteten – Gemütszuständen zwischen grosser Freude und tiefer Trauer beschäftigt. Zu melancholisch? Mitnichten! Melancholie steht meist am Anfang von Kreativität, und die grossartigen Werke, die nun wieder in der Fondation Beyeler zu sehen sind, zeugen davon.

Taro Izumi. ex

Museum Tinguely | bis 15. November 2020

Mit der Ausstellung ex lädt der japanische Künstler Taro Izumi (geboren 1976 in Nara, Japan) dazu ein, in seine spielerische und schalkhafte Welt einzutauchen. Izumi beobachtet unsere Lebensweise und durchleuchtet dabei unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen, zur Natur und zur Tierwelt. So entstehen vielgestaltige, nicht klassifizierbare Werke, die – ausgehend von einer einfachen Grundidee und unter Zuhilfenahme von eher bescheidenen Mitteln – mit dem Absurden spielen. Taro Izumi. ex weiterlesen

Rembrandts Orient

Westöstliche Begegnung in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts

Kunstmuseum Basel | 31.10.2020 – 14.02.2021

Rembrandt Harmensz. van Rijns Neugierde auf alles Fremde und sein unstillbarer Appetit als Sammler waren schon zu seinen Lebzeiten legendär. Als Künstler, Sammler und Bürger kam er mit Kunstwerken, Gebrauchsgegenständen und Menschen aus allen Teilen der damals bekannten Welt in Kontakt und liess sich davon in seinem Schaffen inspirieren. Die Herbstausstellung
Rembrandts Orient im Kunstmuseum Basel | Neubau geht dieser
Ideenwelt anhand einer Auswahl von Werken des Niederländers und seiner Künstlerkollegen nach. Rembrandts Orient weiterlesen

Editorial: Museen als Orte der Entschleunigung

Josef Helfenstein ist Direktor des Kunstmuseums Basel

Von Josef Helfenstein

Liebe Kunstfreund*innen
Der «Lockdown» ist vorüber, und dennoch befinden wir uns in einer Situation, die weit von der Normalität entfernt ist. Kaum jemand von uns hat einen solch radikalen Stillstand unseres öffentlichen Lebens für möglich gehalten, auch wenn er bei uns nur zwei Monate dauerte. Erstaunlicherweise haben die meisten den Sinn dieser «Notbremse» eingesehen, wenn nicht zu Beginn, dann vermutlich im Nachhinein. Viele von uns haben die Beschleunigungsspirale, in der wir als Gesellschaft stecken, mit wachsender Besorgnis wahrgenommen, mit dem Gefühl, dass wir dagegen als Individuen kaum etwas tun können. Editorial: Museen als Orte der Entschleunigung weiterlesen

Deana Lawson – Centropy

Kunsthalle Basel | bis 11.10.2020

Deana Lawson folgt Fremden. Sie begegnet ihnen auf einem Feld in Jamaika, in einer brasilianischen Favela oder einem Kinderladen in der Bronx, und sie erkundet ihre Nachbarschaft oder be-reist die Welt auf den Spuren der afrikanischen Diaspora. Fasziniert von der Präsenz oder dem Stil von jemandem, von einem Körperschwung, einer Narbe im Gesicht oder einer Frisur, erkennt die in Rochester, USA, aufgewachsene Künstlerin in diesen Fremden etwas, das sie «gottähnliche Wesen» nennt.  Deana Lawson – Centropy weiterlesen

Marlene McCarty | Stefan Karrer Christoph Oertli

Kunsthaus Baselland | bis 05.07.2020

Geht es Ihnen auch so? Das Zeitgefühl scheint uns in diesem Jahr ein wenig abhandengekommen zu sein – als hätte der Covid-19-Lock-down rund zwei Monate aus unseren Kalendern gestrichen. Verschiedentlich war zu hören, wie intensiv die Wochen der Schutzmassnahmen genutzt wurden. Marlene McCarty | Stefan Karrer Christoph Oertli weiterlesen