Alle Beiträge von Redaktion

Editorial

Josef Helfenstein ist Direktor des Kunstmuseums Basel

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde

Wir haben die Bilder und Menschen vermisst während der pandemiegeprägten Zeit. Den farbenfrohen Eiffelturm von Robert Delaunay, Arnold Böcklins planschende Nereïden, das eindrückliche Selbstporträt von Paula Modersohn-Becker, den toten Christus im Grab von Hans Holbein d.J.. Ebenso wie den Spaziergang am Strand, die Aussicht vom Berg, den Blick auf einen Fluss im Nebel. Ausflüge, ob in die Natur oder ins Museum, beleben und inspirieren uns. Sie wecken Erinnerungen, versinnbildlichen Sehnsüchte. Sie erlauben uns, Dinge und auch uns selbst neu zu erfahren, sie berühren unser Innerstes. Editorial weiterlesen

BANG BANG – Translokale Performance Geschichte:n

Museum Tinguely
08.06.2022 – 21.08.2022

Einen ganzen Sommer lang wird die Performance Kunst im Museum Tinguely mit BANG BANG – translokale Performance Geschichte:n gefeiert. Die prozessorientierte Ausstellung stellt die Schweizer Performance-Landschaft, ihre Protagonistinnen und Netzwerke ins Zentrum und präsentiert zugleich ein reiches und vielseitiges internationales Programm. Über Videoinstallationen, Performances, Fotos, Texte und Diskussionen wird die unglaublich vielfältige Geschichte dieses Mediums aufgefächert. Es ist ein einmaliges Kaleidoskop, welches hier ausgebreitet wird.  BANG BANG – Translokale Performance Geschichte:n weiterlesen

Pax Art Awards

Die Art Foundation Pax feiert ihr Fünf-Jahre-Jubiläum

Die Art Foundation Pax mit Sitz in Basel ist eine unabhängige Stiftung zur Förderung der digitalen und medienbasierten Kunst der Schweiz und wird finanziell unterstützt von Pax. Ende 2017 ins Leben gerufen, vergibt sie seit 2018 jährlich die Pax Art Awards. Neben Nicolas C. Bopp, Präsident des Stiftungsrats, fungieren Sabine Himmelsbach, Direktorin des HEK (Haus der elektronischen Künste) sowie Fausto De Lorenzo, De Lorenzo Museumsmanagement Basel, als Stiftungsräte.

Wie sind Sie mit der Art Foundation Pax zur Medienkunst gekommen? Pax Art Awards weiterlesen

Schöner trinken – Barockes Silber aus einer Basler Sammlung

Historisches Museum Basel

10.06.2022 – 29.01.2023

Wie lässt sich Wasser in Wein verwandeln? Womit zaubert man besondere Düfte auf die Festtafel? Kann man überhaupt
«schöner trinken»? Die Sonderausstellung stellt eine der bedeutendsten Privatsammlungen barocker Silberobjekte in der Schweiz erstmals der Öffentlichkeit vor. Sie gibt reizvolle Einblicke in die Vielfalt von Trinkgefässen sowie deren Herstellung und Verwendung. 

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Anouk Kruithof – Universal Tongue

Museum Tinguely
24. 04.2022 – 29.1.2023

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Von Roland Wetzel
Tanz ist eine universelle Sprache des Austauschs, des Ausdrucks, der Selbstverwirklichung und der individuellen wie auch der kollektiven Ermächtigung. Er bringt Menschen unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters zusammen und schafft Gemeinschaft. Mit Tanz feiert man das Leben in seiner ganzen Vielfalt. 

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Thomas Scheibitz‘ bildhauerisches Werk – if seven was five

Kloster Schoenthal, Langenbruck
10. April bis 6. November 2022

Die Ausstellung if seven was five legt den Fokus auf das bildhauerische Werk des in Berlin lebenden Künstlers Thomas Scheibitz. Malerei und Skulptur bestimmen gleichberechtigt seine künstlerische Praxis, die immer wieder dasVerhältnis zwischen autonomer Setzung und einem sich verflüchtigenden Weltbezug untersucht. Grundlage seiner Arbeiten ist ein breit angelegter Fundus von «Sekundärmaterial», wie der Künstler sein umfangreiches Archiv gesammelter Materialien bezeichnet.

Thomas Scheibitz, Portal, 2022

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Heidi Bucher. Metamorphosen I

Kunstmuseum Bern

bis 07.08.2022

Die Schweizer Künstlerin Heidi Bucher (1926–1993) zelebrierte in ihrem Schaffen die Ablösung vom Alten und die Auferstehung in einer neuen Haut. Das Kunstmuseum Bern widmet dieser wichtigen und zu Unrecht lange vergessenen Künstlerin die bisher grösste Retrospektive in der Schweiz und zeigt ihr vielseitiges Gesamtwerk.

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Carlo Borer – Sleeping with the Gods

Kulturstiftung Basel H. Geiger
5. Mai bis 10. Juli 2022

So wie die Natur die Fähigkeit zur Rückeroberung des menschlichen Lebensraums hat, so werden Carlo Borers raumfüllende Installationen sich unter dem Titel «Sleeping with the Gods» den Ausstellungsraum der Kulturstiftung Basel H. Geiger | KBH.G vom 5. Mai bis 10. Juli einverleiben. Die unterschiedlichen Installationen und organischen Formen der eigens für den Ausstellungsraum entworfenen und in einem hochkomplexen Verfahren angefertigten Arbeiten aus poliertem Edelstahl sind dabei bis auf den Bruchteil eines Millimeters präzise kalkuliert. Jede Verjüngung oder Erweiterung der Form speist sich aus Meilensteinen auf der Zeitleiste der Evolutionsgeschichte. Einerseits aus Daten der Bevölkerungsentwicklung der Erde, gestützt auf Modellierungen der Uno, oder aus der dramatischen Regression der Artenvielfalt im Tierreich. Eine formschöne, wie auch eindringliche künstlerische Demonstration, wie beides in Zusammenhang steht. Carlo Borer – Sleeping with the Gods weiterlesen

Editorial Ausgabe Frühjahr 2022

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde

Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler
Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler

Natürlich sind Künstler und Künstlerinnen ebenfalls und Museen ganz besonders von der Corona-Krise betroffen. Trotzdem sind die Basler Museen auch unter den erschwerten Bedingungen in Pandemiezeiten weiterhin geöffnet, ja sie bieten hochattraktive Ausstellungen und Veranstaltungen an. Dies, obwohl der personelle, organisatorische und finanzielle Aufwand, der erforderlich ist, um Museumsprogramme zu realisieren, erheblich gestiegen ist. Wenn Sie die Basler Museen in diesem Frühjahr besuchen, werden Sie voraussichtlich wenig bis gar nichts davon merken. Ganz im Gegenteil: Ausstellungsmässig herrscht in Basel ein Goldenes Zeitalter. Ermöglicht wird dies in erster Linie durch die Steuerzahlenden des Kantons
Basel-Stadt, kulturfördernde Sponsoren und insbesondere grosszügiges privates Mäzenatentum. Dass sie unsere Kulturinstitutionen auch in Krisenzeiten unterstützen, bildet die Grundlage für Basels «Kunststücke». Editorial Ausgabe Frühjahr 2022 weiterlesen

Georgia O’Keeffe – die kühne und radikale Art des Sehens

Fondation Beyeler

23.01.2022 – 22.05.2022

Die Fondation Beyeler widmet ihre Frühjahrsausstellung Georgia O’Keeffe (1887–1986), einer der bedeutendsten Malerinnen und Ikone der modernen amerikanischen Kunst.

Mit der grossen Retrospektive zu Georgia O’Keeffe (1887–1986) präsentiert die Fondation Beyeler eine der bedeutendsten Malerinnen und eine herausragende Persönlichkeit der modernen amerikanischen Kunst. Mit 85 Werken aus allen Schaffensphasen bietet die Ausstellung einen umfassenden Überblick über die lange, sechs Jahrzehnte umspannende Karriere und das facettenreiche Œuvre der Künstlerin.  Georgia O’Keeffe – die kühne und radikale Art des Sehens weiterlesen

Party for Öyvind – Öyvind Fahlström & Friends

Museum Tinguely | 16.02.2022 – 01.05.2022

Andres Pardey, Vizedirektor Museum Tinguely

Von Andres Pardey

Das Museum Tinguely zeigt mit Party for Öyvind das Werk eines der innovativsten und initiativsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Öyvind Fahlström (1928–1976) hat in seiner kurzen Schaffenszeit ein in jeder Hinsicht Grenzen sprengendes Œuvre geschaffen. Diese einzigartige Ausstellung umfasst bildende Kunst,
Poesie, Theater, Literatur, Musik, Tanz und Film und spiegelt die grosse Vielfalt des Ausdrucks innerhalb des internationalen Netzwerks von Künstler*innen wider, die den schwedischen Künstler inspirierten und die von ihm inspiriert wurden.

Der Ausstellungstitel zitiert die Einladungskarte, die Patty und Claes Oldenburg zu einer Feier anlässlich des Geburtstags von Öyvind Fahlström und seiner ersten Einzelausstellung in der legendären Sidney Janis Gallery in New York 1967 verschickten. Die Party war eine Riesensache mit mehreren Hundert Gästen, von denen viele auch in der Ausstellung vertreten sind.

Öyvind Fahlström wurde 1928 als Sohn skandinavischer Eltern in São Paulo, Brasilien, geboren. Im Juli 1939, im Alter von elf Jahren, reiste er alleine nach Stockholm, um während sechs Monaten seine Verwandten zu besuchen. Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges verhinderte eine Rückreise, sodass Fahlström den Rest seiner Kindheit und Jugend in Stockholm bei einer Tante verbrachte. Nach dem Krieg studierte er in der schwedischen Hauptstadt Kunstgeschichte und Archäologie. Ab 1952 lebte er in Rom, tauchte alsbald in die Kunstszene ein, schuf erste Werke und freundete sich mit Künstlern wie dem Maler Giuseppe Capogrossi an, dessen Umgang mit Zeichen und Symbolen für den viel jüngeren Schweden eine wichtige Inspiration war. Fahlström berichtete als Korrespondent schwedischer Zeitungen im Feuilleton über Rom – so unter anderem über Robert Matta oder
Cy Twombly. 

Zurück in Stockholm, pflegte Fahlström seine Freundschaften mit Künstler*innen, Kunsthistoriker*innen, Museumsmenschen, Musiker*innen und vielen anderen Kreativen. Mit dem
Moderna Museet, das 1959 eröffnet wurde, verband Fahlström von Anfang an eine enge Beziehung, die in viele spartenübergreifende Projekte mündete und ihn später zu einem der Botschafter des Museums in den USA werden liess.

Erste internationale Ausstellungen folgten, so insbesondere 1958 in der Galerie Daniel Cordier in Paris, wo Fahlström enge Bande zu Jean-Jacques Lebel und Alain Jouffroy knüpfte, den Organisatoren von Anti-Procès (1, 1960), einer Manifestation von Künstler*innen gegen die französische Kriegspolitik in Algerien sowie gegen die Apartheid in Südafrika, deren Manifest auch Fahlström unterschrieb. 1961 reiste Fahlström mit seiner Partnerin Barbro
Östlihn, die er 1960 geheiratet hatte und mit der er intensiv zusammenarbeitete, zu einem einjährigen Stipendium-
aufenthalt in die USA. Billy Klüver, der schwedische Ingenieur in den Diensten der Bell Laboratories und Gründer von E.A.T. (Experiments in Art and Technology, einer Institution, die viele Künstler*innen in der technischen Umsetzung von Werken unterstützte), führte die Ankömmlinge in die New Yorker Kunstszene ein. Erste Freunde waren Patty und Claes Oldenburg. Fahlström konnte Robert Rauschenbergs Atelier übernehmen und wurde so zum Nachbarn von Jasper Johns. Er fand sich im Zentrum der rasanten Entwicklung in den USA, erlebte den Aufstieg von Pop Art und Happening. Barbro und Öyvind blieben auch nach Ablauf des Stipendiumjahres in der Stadt und waren bis zu seinem Tod 1976
Teil der Kunstszene New Yorks.

Auch mit einem Leben in NY rissen die Kontakte nach Schweden nie ab. 1966 repräsentierte Fahlström sein Land an der Biennale in Venedig, und konnte sich wohl auch deshalb nicht an HON beteiligen, der riesigen Frauenskulptur, die Niki de Saint Phalle zusammen mit Jean Tinguely und Per Olof Ultvedt 1966 im Moderna Museet installierte. Öyvind, Niki und Jean hatten sich spätestens seit Mai 1962 gekannt, als sie sich alle an Kenneth Kochs Inszenierung von The Construction of Boston beteiligten.

Fahlström betätigte sich als Poet, publizierte 1953 ein Manifest für konkrete Poesie, war Verfasser von Theaterstücken, beteiligte sich an Performances und Happenings ebenso wie an theatralischen Inszenierungen und schuf in enger Zusammenarbeit mit seiner Frau
ein künstlerisches Werk mit Gemälden, einem umfangreichen druckgrafischen Werk und raumgreifenden Installationen, das sich zwischen ‚peinture‘ und ‚comic‘ bewegte und in dem er politische, soziale und gesellschaftliche Fragen seiner Zeit aufnahm.

Party for Öyvind spiegelt eine Zeit wider, die von den Herausforderungen der Nachkriegszeit geprägt war, die aber auch einzigartige Möglichkeiten für eine neuartige Offenheit und Verspieltheit bot, als eine jüngere Generation versuchte, das Alte über Bord zu werfen und ihre eigene Lebensweise zu finden, in deren Mittelpunkt Lebenslust und Hoffnung auf die Zukunft sowie das Recht auf die eigene Identität, Sexualität und Ausdruck in Kunst, Musik, Literatur und Poesie standen.

Die Ausstellung bringt viele der einflussreichsten Künstler der 1960er und 1970er zusammen, darunter Alexander Calder, Andy Warhol, Barbro Östlihn, Carl Johan De Geer, Christer Strömholm, Claes Oldenburg, Cy Twombly, Dennis Hopper, Ernest Cole,
Faith Ringgold, Gunilla Palmstierna-Weiss, Jean Tinguely, John Cage, Kiki Kogelnik, Lee Bontecou, Lena Svedberg,
Marie-Louise Ekman, Marisol, Merce Cunningham,
Mimi Gross, Niki de Saint Phalle, Patty Oldenburg,
Peter Weiss, Robert Rauschenberg und Roy Lichtenstein. Und, natürlich, Fahlström selbst. Insgesamt sind es etwa gleich viele Künstlerinnen wie Künstler.
Die Ausstellung wird kuratiert von Barbro Schultz-Lundestam und Gunnar Lundestam, sie wurde nach einer ersten Station im
Sven-Harrys konstmuseum in Stockholm für Basel erweitert und hier von Andres Pardey und Tabea Panizzi betreut. Im Sommer 2022 wird die Ausstellung im Kunstverein in Hamburg zu sehen sein.