Archiv der Kategorie: Editorial

Editorial: Kunst ist …

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely und Kurator der Ausstellung Lois Weinberger – Debris Field. In dieser Ausstellungsreihe treten unterschiedliche Künstler*innen in Dialog mit Jean Tinguelys Mengele Totentanz.
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely 

Liebe Kunstfreundinnen und Kunstfreunde

Wir freuen uns sehr, unsere Türen wieder für Besucherinnen und Besucher zu öffnen. Kunst und Kultur leisten nicht nur einen wichtigen Beitrag zum Wohle aller – Kunst ist das Salz in der Suppe, das Schmiermittel und der Sand im Getriebe. Und manchmal darf sie auch die Kirsche auf der Torte sein. 

Kunst ist Leben (und Tod)

Kunst ist Bildung (und Distinktion)

Kunst vermittelt Werte und Menschlichkeit

Kunst ist ganzheitlich

Kunst ist ästhetisch

Kunst ist sinnlich

Kunst ist Gemeinschaft und Partizipation

Kunst ist universell

Kunst ist individuell

Kunst ist freiheitlich

Kunst ist kritisch

Kunst schreibt Geschichte

Kunst ist Erinnerung

Kunst ist Zufall

Kunst ist schöpferische Zerstörung

Kunst ist Innovation

Kunst ist Anarchie

Kunst ist Achtsamkeit

Kunst ist öffentlich

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Museums-Lockdown beenden!

Gerne verbreiten wir die gemeinsame Mitteilung der Museumsdirektorenkonferenz Basel

Basel, 27. Januar 2021

Kultur und kulturelle Bildung wieder zugänglich machen. Museums-Lockdown beenden. Für das geistige Wohl aller!

Museen und Ausstellungshäuser sind zentrale Orte der Bildung, kulturellen Vielfalt und emotionalen Stärkung. In einer freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft sind sie wichtige Institutionen zur diversen Meinungs- und Identitätsbildung, sie fördern freiheitliches und pluralistisches Denken, bieten Ruhe, Erholung, Inspiration und Fantasie und streben danach, offen für alle, jede und jeden zu sein. Sie sind dadurch wesentliche Träger des Demokratiegedankens. Die Museumsdichte und -vielfalt in der Schweiz zeugen von einem tiefgreifenden Verständnis für die Bedeutung der und einem unbedingten Willen zur Kultur.

Dieses hohe Gut und auch Bekenntnis gilt es zu leben. Gerade jetzt! Museen und Ausstellungen sind in der Auseinandersetzung mit Natur- und Kulturgeschichte, mit Kunst und ihrer Reflexion der Gegenwart ein kritisches Gegenüber und ein Partner, um neuen Situationen und insbesondere Krisen zu begegnen und sie zu reflektieren. Das Erlebnis und die Erfahrung vor dem originalen Exponat – sei es ein Kunstwerk, eine historische Handschrift, ein wissenschaftliches Präparat – kann von keiner noch so gut aufgearbeiteten Online-Präsentation, keinem Blog und keiner virtuellen Führung ersetzt werden. Dies wird deutlich in zahlreichen Rückmeldungen, die unsere Häuser in der aktuellen Zeit erreichen. Ist der physische Zugang begrenzt oder gar verunmöglicht, verkümmern Bildung und Kultur in einer Gesellschaft grundlegend.

Den immer wieder auf die neuesten Forderungen angepassten Schutz- und Hygienekonzepte, die seit Mai 2020 erfolgreich in den Ausstellungshäusern umgesetzt wurden, liegen nun massgebliche Erfahrungen zugrunde. Sie erlauben es, die Museen und Institutionen umsichtig für Besuchende zu öffnen. Diese Häuser verfügen über geschützte öffentliche Räume mit individuellen, differenzierten und dynamischen Schutzkonzepten, die proaktiv umgesetzt und anpasst werden.

Museen und Ausstellungshäuser bieten ausreichend Fläche, um die Distanzregelung in jedem Moment einhalten oder bei Bedarf erhöhen zu können. Eine dezidierte Lenkung des Besucherflusses ist jederzeit möglich und wurde bereits seit Mai 2020 erfolgreich breitflächig umgesetzt. Individuelle Ausstellungs- und Museumsbesuche verursachen keine Ansammlung von Massen. Gerade für die lokale Bevölkerung sind diese Häuser und die Begegnung mit kulturellem Schaffen in diesen sorgenvollen und für viele belastenden Zeiten wichtige Anlaufstellen, ohne einen hohen Grad an öffentlicher Bewegung zu verursachen.

Gemeinsam mit dem Verband der Museen der Schweiz (VMS), dem International Council of Museums (ICOM) Schweiz, der Vereinigung Schweizer Kunstmuseen (VSK), dem Verein Schweizer Institutionen zeitgenössischer Kunst (VSIZK/AISAC) und dem Verband der Naturhistorischen Museen und Sammlungen der Schweiz und Liechtenstein (musnatcoll.ch) bitten wir den Bundesrat eindringlich, eine Wiedereröffnung der Museen und Ausstellungshäuser für den Individualbesuch in der ersten Stufe der Lockerung zu ermöglichen, um weiterhin den zentralen Bildungsauftrag erfüllen und einen wichtigen Beitrag zum geistigen und seelischen Wohl aller leisten zu können.

Die Unterzeichnenden:
Antikenmuseum Basel, Andrea Bignasca

Basler Papiermühle, Britta Graf
Fondation Beyeler, Sam Keller
HeK (Haus der elektronischen Künste Basel), Sabine Himmelsbach
Historisches Museum Basel, Marc Zehntner
Jüdisches Museum der Schweiz, Naomi Lubrich
Kunsthalle Basel, Elena Filipovic
Kunsthaus Baselland, Ines Goldbach
Kunstmuseum Basel, Josef Helfenstein
Museum.BL, Marc Limat
Museum der Kulturen Basel, Anna Schmid
Museum Tinguely, Roland Wetzel
Naturhistorisches Museum Basel, David Alder & Basil Thüring
Pharmaziemuseum, Philippe Wanner
Römerstadt Augusta Raurica, Lilian Raselli
S AM Schweizerisches Architekturmuseum, Andreas Ruby
Schaulager, Heidi Naef
Spielzeug Welten Museum Basel, Laura Sinanovitch
itra Design Museum, Mateo Kries

Editorial: Museen als Orte der Entschleunigung

Josef Helfenstein ist Direktor des Kunstmuseums Basel

Von Josef Helfenstein

Liebe Kunstfreund*innen
Der «Lockdown» ist vorüber, und dennoch befinden wir uns in einer Situation, die weit von der Normalität entfernt ist. Kaum jemand von uns hat einen solch radikalen Stillstand unseres öffentlichen Lebens für möglich gehalten, auch wenn er bei uns nur zwei Monate dauerte. Erstaunlicherweise haben die meisten den Sinn dieser «Notbremse» eingesehen, wenn nicht zu Beginn, dann vermutlich im Nachhinein. Viele von uns haben die Beschleunigungsspirale, in der wir als Gesellschaft stecken, mit wachsender Besorgnis wahrgenommen, mit dem Gefühl, dass wir dagegen als Individuen kaum etwas tun können. Editorial: Museen als Orte der Entschleunigung weiterlesen

Liebe Kunstfreund*innen

Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler
Sam Keller, Direktor der Fondation Beyeler

Wir haben Sie vermisst – und hoffentlich Sie Ihre Museen und Kunsthallen auch. 

Seit einigen Wochen sind wir wieder offen und für Sie da. Als eine der ersten Regionen weltweit haben Basel und die Dreilandregion ihre Museen wieder für Besuchende geöffnet. Natürlich mit umfassenden Schutzkonzepten.  Liebe Kunstfreund*innen weiterlesen

Epizentren gegenwärtiger Weltbetrachtungen – Seismographen der Zukünfte

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Einmal in der Woche gönne ich mir einen Besuch im Fitnessstudio. Das macht zwar wenig Spass, tut aber gut. Am Anfang des Jahres macht es jeweils noch etwas weniger Spass, weil man kaum Platz findet an den Geräten zwischen all den personifizierten guten Vorsätzen. Glücklicherweise schmelzen diese jeweils schnell wie Schnee an der Sonne und der Tatendrang verschiebt sich hin zu Dingen, die wahrscheinlich sinnvoller sind. Epizentren gegenwärtiger Weltbetrachtungen – Seismographen der Zukünfte weiterlesen

„Le définitif – c’est le provisoire“

Liebe Kunstfreunde und Kunstfreundinnen

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely und Kurator der Ausstellung Lois Weinberger – Debris Field. In dieser Ausstellungsreihe treten unterschiedliche Künstler*innen in Dialog mit Jean Tinguelys Mengele Totentanz.
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Unsere Lebenswelt befindet sich in konstantem Wandel – oder wie Jean Tinguely kurz und knapp sagte: Le définitif – c’est le provisoire. Den Wandel prägen wir alle mit unserem kommunikativen Handeln mit. Kulturinstitutionen sind Plattformen, die diesen Austausch ermöglichen und mitgestalten. Es ist deshalb sinnvoll, wenn sie immer wieder ihre Angebote und Aufgaben hinterfragen. Auf politischer Ebene geschieht das aktuell gerade mit dem sich in Vernehmlassung befindenden neuen Kulturleitbild im Kanton Basel-Stadt: Mit den Fragen nach dem kulturellen Selbstverständnis und den mittelfristigen Perspektiven der Kulturförderung sind natürlich auch Fragen der Finanzierung verbunden.  „Le définitif – c’est le provisoire“ weiterlesen

Zur 50. Ausgabe von Artinside

Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums Basel, ist Kunsthistoriker und Kurator der Ausstellung «William Kentridge». Karen Gerig, Verantwortliche Kommunikation am Kunstmuseum Basel und Kunsthistorikerin, hat die Fragen gestellt.
Josef Helfenstein, Direktor des Kunstmuseums Basel

Mit dem vorliegenden Heft halten Sie die 50. Ausgabe des Artinside in Händen. Seit 16 Jahren informieren die Basler Kunstmuseen Sie auf diesem Weg über Ausstellungen, Vernissagen und andere Programmpunkte. Noch älter ist die Geschichte der Art Basel, die mit inzwischen zahlreichen Nebenmessen und -events das internationale Publikum nach Basel lockt. Die Museen verwöhnen es alljährlich mit einem reichhaltigen Programm und hervorragenden Ausstellungen – auch in diesem Jahr haben sie keinen Aufwand gescheut. Zur 50. Ausgabe von Artinside weiterlesen

Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr? 

Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen
Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen

Von Sam Keller

Die Chancen stehen gut, dass sich die Liste Ihrer Vorhaben erweitert, wenn Sie die Vorschau auf das Ausstellungsprogramm lesen, das im Frühling in den Kunsthäusern der Region Basel präsentiert wird. Zwei der Ausstellungen sind Kooperationen zwischen Kunstmuseen in Basel und Paris, wo sie diesen Winter Furore gemacht haben. 670 000 Menschen standen vor dem Musée d’Orsay stundenlang Schlange, um Pablo Picassos Kunstwerke der Blauen und Rosa Periode zu sehen – ein Publikumsrekord in der Geschichte des weltberühmten Museums. Worauf freuen Sie sich im neuen Jahr?  weiterlesen

Liebe Kunstfreund*innen

Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely
Roland Wetzel ist Direktor des Museum Tinguely

Von Roland Wetzel
Es ist eines der grossen Privilegien der Museumsarbeit, sich im 3-Monats-Takt mit neuen Inhalten beschäftigen zu dürfen, neue Ausstellungen vor- und aufzubereiten, die interessierte Besucherinnen und Besucher an Entdeckungsreisen teilhaben lassen.

Das Ausstellungsprojekt Radiophonic Spaces vermag dies auf besondere Weise. Ist das Radio doch ein Medium, das uns zwar täglich begleitet, über dessen Nutzung und vielfältige Möglichkeiten wir uns aber selten bewusst sind. Meine ersten Weltreisen spielten sich in meiner Jugend auf unterschiedlichen Frequenzbändern in der Radioätherwelt ab, dem «oberen blauen Himmel» wie die Definition des Wortes besagt, die zwischen dem Rauschen schier unendlich schien. Oder ganz konkret auf FM mit FM die neusten Musiktrends aus London entdecken liess, was 1978 einem unerhörten Einbruch von Rock und Pop in die heile Welt des Heimatkompressertums (der Handorgel) auf der Frequenz des «Nationalradios» darstellte. Wie schnell sich Zeiten und Mediennutzung doch verändern!

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Liebe Kunstfreunde

Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen
Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler, Riehen

Von Sam Keller
Kunst wird immer mehr Menschen zugänglich. In den digitalen Medien verbreitet sie sich rasant, und der weltweite Museumsboom geht weiter. Damit steigen auch die Ansprüche des Publikums und die gesellschaftliche Verantwortung der kulturellen Institutionen. Die Kunstmuseen werden mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert: die Sammlungen zu aktivieren, die Ausstellungen attraktiv zu gestalten, die Kunst an ein Publikum mit unterschiedlicher Bildung und unterschiedlichen Bedürfnissen zu vermitteln, Besuchende partizipieren zu lassen, soziale Gruppen mit anderem kulturellem Hintergrund zu integrieren, mit der digitalen Revolution Schritt zu halten, die Kommunikation dem veränderten Medienverhalten anzupassen, den Nebenwirkungen des entfesselten Kunstmarkts entgegenzutreten, die Konservierung von Kunstwerken in neuen Medien zu sichern, wissenschaftliches Arbeiten zu gewährleisten, die Provenienzforschung voranzutreiben, einen adäquaten Umgang mit dem kolonialen, totalitären und patriarchalischen Kulturerbe zu finden, die Gleichberechtigung der Geschlechter zu fördern, den Forderungen nach politischer Korrektheit, Zensur und Selbstzensur entgegenzuwirken, internationale Konkurrenz durch lokale Kooperation zu kompensieren und vieles mehr. Liebe Kunstfreunde weiterlesen

Editorial

Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler
Sam Keller, Direktor Fondation Beyeler

Liebe Kunstfreunde
In den beiden Basler Halbkantonen werden seit Jahren heisse Diskussionen um Stadt- und Landkultur sowie ihre Zusammenarbeit geführt. Wie immer, wenn in der Kultur versucht wird, Kategorien und Grenzen einzuführen, werden diese der Komplexität kultureller Produktion und Rezeption kaum gerecht. Auch weil das Verbindende in der Kultur naturgemäss eben stärker ist als das Trennende.

Wie sich die Verbindung von intensivem künstlerischen Austausch in Metropolen und individueller Arbeit von Künstlern in der Zurückgezogenheit auf dem Land gegenseitig befruchten können, zeigen exemplarisch die  Herbstaustellungen in den Basler Museen. Editorial weiterlesen