Archiv der Kategorie: Fondation Beyeler, Riehen/Basel

Jeff Wall über seine Ausstellung in der Fondation Beyeler

Die Fondation Beyeler widmet dem international renommierten Künstler Jeff Wall (*1946) eine umfangreiche Einzelausstellung, die in enger Zusammenarbeit mit ihm realisiert wurde. Am Eröffnungswochenende sprach der kanadische Fotograf in der Fondation Beyeler über sein Werk und seine Ausstellung – Artinside war dabei und hat einige Aussagen als Video festgehalten.

 

Jeff Wall in der Fondation Beyeler

Jeff Wall spricht am 28. Januar 2024 in der Fondation Beyeler über sein Werk.

Fondation Beyeler

28. Januar bis 21. April 2024

Dieses Frühjahr präsentiert die Fondation Beyeler Werke des international renommierten Künstlers Jeff Wall (*1946) in einer umfangreichen Einzelausstellung. Es handelt sich dabei um die erste Werkschau des Künstlers in der Schweiz seit fast zwei Jahrzehnten. 

Jeff Wall zählt zu den wichtigsten Vertretern der künstlerischen Fotografie und nimmt eine Sonderstellung in der zeitgenössischen Kunst ein. Der kanadische Künstler hat seit den 1970er-Jahren massgeblich zur Etablierung der Fotografie als eigenständiges Bildmedium beigetragen und gilt als Begründer der «inszenierten Fotografie». Wall erweist sich als unbestechlicher Beobachter menschlicher Lebenswirklichkeiten und sozialer Interaktionen. Er lotet in seiner Kunst die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion, Alltag und Fantasie aus und stellt dabei das traditionelle Konzept der Fotografie als ein getreues Abbild der Realität infrage. Aus einer Vielzahl von Einzelaufnahmen gestaltet er zumeist grossformatige Fotografien, die oftmals durch Alltagsszenen oder aber durch Vorbilder aus der Kunstgeschichte angeregt sind. Wall bezeichnet diesen Bildtypus als «cinematografische  Fotografie», eine an die Filmästhetik angelehnte Konzeption des fotografischen Bildes, dessen Motiv vom Künstler vor der Aufnahme genauestens vorbereitet wird. Daneben entstehen auch «Dokumentarfotografien» – Bilder, bei denen Wall die vorgefundene Aufnahmesituation unverändert belässt. Jeff Walls Bilder bewegen sich zwischen dokumentarischer Aufzeichnung, filmischer Komposition und freier poetischer Erfindung.

Jeff Wall, Milk, 1984
Jeff Wall, Milk, 1984

Viele der bekanntesten Arbeiten des Künstlers sind in der Ausstellung in der Fondation Beyeler zu sehen, darunter auch After ‹Invisible Man› by Ralph Ellison, the Prologue (1999/2000), die Rekonstruktion einer Szene aus Ellisons Roman von 1952, die den jungen Schwarzen Helden des Buches in seinem geheimen Kellerversteck zeigt, das von genau 1369 Glühbirnen erhellt wird.
A Sudden Gust of Wind (after Hokusai) aus dem Jahr 1993, das zu Walls grossformatigsten Werken zählt, erweist sich als zeitgenössische Interpretation eines Drucks aus Katsushika Hokusais Holzschnittserie 36 Ansichten des Berges Fuji (um 1830–1832). Wall nimmt sich die Freiheit, seine Themen dort zu finden, wo ihn seine Fantasie hinführt, was von Alltagsszenen über Kunstgeschichte, Literatur und Theater bis hin zum Film reicht. A Sudden Gust of Wind (after Hokusai) ist eine der ersten Arbeiten des Künstlers, in denen er digitale Techniken einsetzte, die es ermöglichen, eine Reihe einzelner Negative zu einem einzigen finalen Bild zusammenzufügen.

Die Suche nach einer kohärenten Komposition, die vielfältige Bezüge zur Kunst- und Geistesgeschichte eröffnet, steht für Jeff Wall bei jedem fotografischen Bild im Zentrum. Der Blick auf sein heute nahezu 200 Fotografien umfassendes Œuvre macht deutlich, dass er aus einer Vielzahl von Gattungen und Motiven schöpft: Stillleben finden sich neben Historienbildern, Aufnahmen von Landschaften neben Fantasieszenen, Erinnerungsbilder neben Menschendarstellungen.

Die weiteren Säle der Ausstellung versammeln Szenen, die in den verschiedensten Innen- und Aussenräumen, an öffentlichen und privaten Orten, entstanden sind. Die Bilder umfassen Darstellungen von Männer- und Frauengruppen, von armen und wohlhabenden, von jungen und alten Menschen. Darunter sind Bilder, die mit grossem Aufwand geschaffen wurden, und andere, die keine sichtbare Herausforderung in der Umsetzung zu erkennen geben. Es finden sich Fotografien in Farbe und in Schwarz-Weiss, grosse und kleine, real und unwirklich anmutende, die den unterschiedlichsten Stimmungen, Gemütszuständen und Beziehungen Anschaulichkeit verleihen. Sie konfrontieren die Ausstellungsbesuchenden mit einer Vielzahl von Motiven und Themen, mit Schönem und Hässlichem, Mehrsinnigem und Verstörendem.

Jeff Wall wurde 1946 in Vancouver, Kanada, geboren, wo er auch heute noch lebt und arbeitet. In den 1960er-Jahren – in der Blütezeit der Konzeptkunst – begann er sich mit der Fotografie zu beschäftigen. Ab Mitte der 1970er-Jahre zeigte er inszenierte Grossbilddias in Leuchtkästen. Mit diesem Format, das bis dahin eher mit Werbung als mit Fotokunst in Verbindung gebracht wurde, führte er eine neue Präsentationsform in die Kunst ein. Seit Mitte der 1990er-Jahre hat Wall sein künstlerisches Ausdrucksspektrum mehrfach erweitert, zunächst um grossformatige Schwarz-Weiss-Fotografien und in jüngerer Zeit auch um Farbdrucke. 

In der Fondation Beyeler treten Bildfindungen jüngeren Datums in einen Dialog mit ikonischen Arbeiten aus der Zeit von Walls künstlerischen Anfängen. So entfalten sich in jedem der elf Ausstellungsräume vielfältige inhaltliche und formale Bezüge zwischen älteren und neueren Werken. Zudem werden in der Fondation Beyeler mehrere jüngst geschaffene Arbeiten erstmals überhaupt öffentlich zu sehen sein. 

Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstanden. Sie vereint 55 Werke aus internationalen Museen und Privatsammlungen und dem Werkbestand des Künstlers und bietet einen neuen Blick auf dessen bedeutendes Schaffen.

Charlotte Sarrazin ist Associate Curator
an der Fondation Beyeler.

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Niko Pirosmani in der Fondation Beyeler

Fondation Beyeler
17.09.2023 – 28.01.2024

Von Regula Moser, Associate Curator an der Fondation Beyeler

Als Abschluss und Höhepunkt des Jahres präsentiert die Fondation Beyeler eine Ausstellung des legendären georgischen Malers Niko Pirosmani (1862–1918), eines rätselhaften Einzelgängers und zugleich einflussreichen Vorboten der modernen Kunst. Obwohl unter Kunstliebhaber:innen fast schon kultisch verehrt wie auch in seinem Heimatland als Volksheld gefeiert, wartet Pirosmani noch darauf, von einer breiten Öffentlichkeit entdeckt zu werden. Mit rund 50 Hauptwerken ist dies die bisher bedeutendste internationale Pirosmani-Ausstellung.  Niko Pirosmani in der Fondation Beyeler weiterlesen

Ab 11. Juni 2023: Basquiat. The Modena Paintings

Fondation Beyeler

11. JUNI – 27. AUGUST 2023

Der New Yorker Künstler Jean-Michel Basquiat (1960–1988) reiste im Sommer 1982 ins italienische Modena. Der Galerist Emilio Mazzoli hatte den damals erst 21-Jährigen für eine Einzelausstellung eingeladen, vor Ort neue Werke zu realisieren. Innerhalb weniger Tage malte Basquiat acht grossformatige Gemälde, von denen einzelne heute zu seinen bekanntesten und wertvollsten Bildern zählen. Doch die Ausstellungspläne wurden verworfen und die Gemälde letztlich nie zusammen gezeigt. Mehr als 40 Jahre später ist es nun erstmals gelungen, alle «Modena Paintings», die sich mittlerweile in US-amerikanischen, asiatischen und Schweizer Sammlungen befinden, zusammen zu präsentieren.

Der Modena-Zyklus steht am Anfang von Basquiats Karriere. Wiederholte motivische wie stilistische Merkmale in der für Basquiat typischen farbenfrohen und expressiven Formsprache verbinden die Gemälde untereinander und lassen sie innerhalb seines Gesamtoeuvres als Gruppe erkennen, die für das Verständnis seines Schaffens zentral ist.

Die Ausstellung bietet die einmalige Gelegenheit, einige der berühmtesten und wertvollsten Bilder Basquiats in der Werkserie vereint zu erleben.

Doris Salcedo – Objekte, Skulpturen und ortsspezifische Interventionen

Fondation Beyeler
21.05.2023 – 17.09.2023

Dr. Fiona Hesse ist Associate Curatoran der Fondation Beyeler.
Dr. Fiona Hesse ist Associate Curator an der Fondation Beyeler.

Im Frühling und Sommer 2023 präsentiert die Fondation Beyeler eine umfangreiche Ausstellung mit Werken der international renommierten kolumbianischen Künstlerin Doris Salcedo (*1958). Es wird ihre erste Museumsausstellung in der Schweiz sein und knüpft an ihre bereits seit Oktober 2022 in der Fondation Beyeler präsentierte Installation Palimpsest (2013–17) an. Doris Salcedo – Objekte, Skulpturen und ortsspezifische Interventionen weiterlesen

PICASSO. Künstler und Modell – Letzte Bilder

Fondation Beyeler

19. Februar – 1. Mai 2023

Im Rahmen der internationalen Feierlichkeiten rund um das 50. Todesjahr von Pablo Picasso (1881–1973) präsentiert die Fondation Beyeler vom 19. Februar bis 1. Mai 2023 in einer kleineren Ausstellung eine konzentrierte Auswahl von zehn späten Gemälden des Künstlers aus der Sammlung Beyeler, der Anthax Collection Marx sowie aus weiteren Privatsammlungen. PICASSO. Künstler und Modell – Letzte Bilder weiterlesen