Schlagwort-Archive: 20. Jahrhundert

Haroon Mirza/hrm199 Ltd.

Haroon Mirza/hrm199 Ltd.
10.06.2015 – 06.09.2015

Museum Tinguely

Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely
Roland Wetzel, Direktor Museum Tinguely

Von Roland Wetzel
Vielen ist Haroon Mirzas Werk von der Biennale 2011 in Venedig bekannt: Im Arsenale baute er ein vielkantiges, pyramidenförmiges architektonisches Konstrukt ein, das die Besucher in sein Inneres sog, sie einem akustisch und optisch dumpf-aseptischen Raumempfinden aussetzte, das in Intervallen durch einen von durchdringendem Ton begleiteten gleissenden Lichtkreis überblendet wurde. Mirza gewann mit dieser Installation einen der Hauptpreise der Biennale. Haroon Mirza/hrm199 Ltd. weiterlesen

Marlene Dumas – Im Bann der Malerei

Marlene Dumas
31.05.2015 – 06.09.2015
Fondation Beyeler

Marlene Dumas ist eine leidenschaftliche Malerin. Ihre Kunst fasziniert und irritiert. Dem umfangreichen Werk dieser bemerkenswerten Künstlerin widmet die Fondation Beyeler vom 31. Mai bis 6. September die bisher umfassendste Retrospektive in Europa mit dem Titel «The Image as Burden»

Marlene Dumas, For Whom the Bell Tolls, 2008, The Rachofsky Collection and the Dallas Museum of Art through the DMA/amfAR Benefit Auction Fund, © Marlene Dumas, Foto: Peter Cox, © 2015, ProLitteris, Zürich
Marlene Dumas, For Whom the Bell Tolls, 2008, The Rachofsky Collection and the Dallas Museum of Art through the DMA/amfAR Benefit Auction Fund, © Marlene Dumas, Foto: Peter Cox, © 2015, ProLitteris, Zürich

Von Jana Kouril*

Im Zentrum des Schaffens von Marlene Dumas steht die Beschäftigung mit dem Porträt und der menschlichen Figur. Die Ausstellung The Image as Burden bietet einen Überblick über ihr Schaffen von der Mitte der 1970er-Jahre bis heute. Zusätzlich zu Dumas’ wichtigsten Bildern und Zeichnungen werden experimentelle Collagen aus ihrem Frühwerk sowie mehrere, in neuerer Zeit entstandene Gemälde zu sehen sein.

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Alexander Calder: Bäume – Abstraktion benennen

Alexander Calder: Bäume – Abstraktion benennen
bis 12.01.2014
Fondation Beyeler

Die Fondation Beyeler präsentiert mit der zweiten Calder Gallery eine einzigartige Ausstellung mit Werken des amerikanischen Bildhauers, die in Zusammenarbeit mit der Calder Foundation eingerichtet und sich einem weiteren, noch nicht untersuchten Aspekt im Schaffen des Künstlers widmet. Neben Leihgaben der Calder Foundation werden auch selten ausgeliehene Werke aus Privatbesitz sowie aus der Fundació Joan Miró, Barcelona, und dem Moderna Museet, Stockholm, zu sehen sein. Alexander Calder: Bäume – Abstraktion benennen weiterlesen

Was jetzt? Aufstand der Dinge am Amazonas

Was jetzt? Aufstand der
Dinge am Amazonas

bis 29.09.2013
Museum der Kulturen

Holzfigur der Ocaina aus Kolumbien, 1960er-Jahre
Holzfigur der Ocaina aus Kolumbien, 1960er-Jahre

Das Leben von Dingen endet nicht, wenn sie in eine ethno-grafische Museumssammlung kommen. Vielmehr erzählen sie uns Geschichten einer gemeinsamen Vergangenheit und Gegenwart zwischen dem Museum und den Herkunftsorten.
Und sie stellen Fragen nach der Verantwortung, die wir aus diesen Beziehungen für die Zukunft tragen.
Mit der Ausstellung Was jetzt? Aufstand der Dinge am Amazonas stellt sich das Museum der Kulturen Basel diesen Fragen und lädt ein zu einer inspirierenden Reise durch die historischen und aktuellen Verflechtungen zwischen dem Amazonastiefland und den ethnografischen Sammlungen am Rheinknie. An ausgewählten Sammlungsstücken aus den Jahren 1950 bis 2010 untersucht die Ausstellung die Interessen und Weltsichten verschiedenster Akteure; ein besonderes Augenmerk richtet sich auf diejenigen indigener Gemeinschaften. In diesen spielen Objekte eine zentrale, aktive Rolle bei der Menschwerdung, Ausgestaltung sozialer Beziehungen und der Visualisierung von Identitäten. Mythen erzählen, wie Objekte geschaffen werden und ihre Lebensrolle einnehmen, aber auch gegen Menschen rebellieren, wenn sie nicht die gebotene Behandlung erfahren. Die Ausstellung verbindet zeitgenössische Ansätze der Ethnologie, die nach der Wirkungsmächtigkeit von Dingen forschen, mit der Frage nach Handlungsspielräumen von indigenen Akteuren im globalen Kontext. Gigantische Infrastrukturmassnahmen zur Erschliessung natürlicher Ressourcen werden Amazonien, und wohl auch den Rest des Planeten, einschneidend und unwiderruflich verändern. Das Museum der Kulturen nimmt die aktuelle Problematik auf, um Bezügen zwischen Museumssammlungen und historischen Ereignissen in Amazonien nachzugehen. Die Frage «Was jetzt?» wird nicht beantwortet, denn die Ausstellung versteht sich als Reflexionsplattform, die es den Besucherinnen und Besuchern offen lässt, ob und wie sie die Frage nach der globalen Verantwortung – die je nach Standpunkt zwischen Engagement und neokolonialer Einmischung verortet wird – angehen wollen.

Was jetzt? Aufstand der
Dinge am Amazonas

bis 29.09.2013
Museum der Kulturen

Ein Fest der Farben in Baden-Baden

Emil Nolde, Frühling im Zimmer, 1904
Emil Nolde, Frühling im Zimmer, 1904

Emil Nolde. Werkschau im Museum Frieder Burda
Leuchtendes Rot, dunkles Blau und intensives Lila, in solch ausdrucksstarken Farben malte Emil Nolde romantische Landschaften und dramatische Meeresbilder. Alle seine Bilder verbindet die emotionale Kraft der Farben. Nolde (1867–1956) zählt zu den wichtigsten Künstlern des Expressionismus. In einer umfangreichen Werkschau werden im Museum Frieder Burda die zentralen Themen seines künstlerischen Schaffens vorgestellt. Neben Landschaften sind Figurenbilder und Bildnisse zu sehen, ebenso religiöse Motive sowie Impressionen seiner Südseereise. Emil Nolde. Die Pracht der Farben, heisst die grosse Sommerausstellung, die vom 15. Juni bis 13. Oktober 2013 im Museum Frieder Burda zu sehen sein wird. Es ist seit vielen Jahren die erste grosse Nolde-Ausstellung in Süddeutschland. Gezeigt werden 58 Ölgemälde und 22 Aquarelle, von den Anfängen bis zum Spätwerk des Künstlers. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit der Nolde Stiftung Seebüll und wird von Manfred Reuther, dem ehemaligen Direktor der Nolde Stiftung, kuratiert.
Die farbintensiven Malereien offenbaren die Vielschichtigkeit der Lebenswelt von Emil Nolde. Manfred Reuther: «Noldes künstlerische Entwicklung war von Anbeginn seines bildnerischen Arbeitens der Weg zur Farbe als seinem eigentlichen Ausdrucksmittel, das er zunehmend virtuos zu handhaben verstand. Emil Nolde
15.06.2013 – 13.10.2013
Museum Frieder Burda

Ausgewählte Picasso-Trouvaillen

Bei ihren Recherchen für die laufende Ausstellung «Die Picassos sind da!» im Basler Kunstmuseum sind die beiden Co-Kuratorinnen Anita Haldemann und Nina Zimmer in Basler Sammlungen auf überraschende und teilweise noch nie öffentlich gezeigte Werke gestossen. Auf den folgenden Seiten stellen sie einige dieser Kostbarkeiten in Kombination mit Werken aus der eigenen Sammlung vor. Aufgezeichnet von Sibylle Meier

Die Picassos sind da!
Eine Retrospektive aus
Basler Sammlungen
17.03.2013 – 21.07.2013
Kunstmuseum Basel

Pablo Picasso, Tête de Fou, 1905
Pablo Picasso, Tête de Fou, 1905

Tête de Fou, 1905
“Das war eine Entdeckung in einer Basler Privatsammlung, mit der wir überhaupt nicht gerechnet hatten. Wir haben dort verschiedene Bilder angeschaut, und auf einmal kamen wir in einen Raum, in dem überraschend diese Skulptur stand. Es handelt sich um eine sehr seltene Skulptur, die wir in Basel nicht erwartet hätten und vom Motiv her der rosa Periode zugerechnet wird. Darum zeigen wir dieses Werk auch im Kontext mit den Deux frères, die Picasso 1906 gemalt hat. Für uns ist besonders schön, dass es dieses Harlekin-Motiv in einer Skulptur gibt. In jener Zeit hat Picasso oft Strassenjungen, Artisten und Harlekins gezeichnet und gemalt. Dieses Motiv wird später, in den 1920er-Jahren, in Picassos Werk eine sehr wichtige Rolle spielen, und aus jener Zeit können wir in unserer Ausstellung drei Gemälde mit dem Harlekin-Motiv zeigen.
Wann dieses Werk gegossen wurde, ist nicht geklärt. Wir gehen aber nicht davon aus, dass der Tête de Fou bereits 1905 gegossen wurde, weil ein Bronzeguss für einen jungen Künstler immer eine sehr grosse Investition war, für die er zuerst jemanden finden musste, der das Vorhaben finanzierte. Diese Skulptur wurde von Picassos Galeristen Ambroise Vollard gegossen.“
Nina Zimmer

Pablo Picasso, Le repas frugal, 1904
Pablo Picasso, Le repas frugal, 1904

Le repas frugal, 1904
“Dieses Blatt wurde vom Kupferstichkabinett des Kunstmuseums Basel sehr früh, 1926, angekauft. Es handelt sich um die allererste Druckgrafik, die Picasso angefertigt hat. Eine Radierung in diesem Format war zu jener Zeit überhaupt nicht üblich. Er hat bei dieser Arbeit ein sehr feines, differenziertes Schraffursystem angewendet, und es ist erstaunlich, dass er dies auf Anhieb beherrscht hat. Druckgrafik ist für viele Künstler eine Herausforderung, weil sie die Technik wirklich beherrschen müssen. Aber genau das hat ihn gereizt – dieses Material in den Griff zu bekommen. Damals, 1904, hat ihn ein Künstlerkollege im Atelier in die Materie eingeführt, ihm eine Platte gegeben und er hat einfach losgelegt.
Auch dieses Werk zeigt sein Interesse an Randfiguren wie Zirkus-akrobaten, Prostituierten oder, wie auf diesem Bild, armen Leuten, zu denen Picasso damals auch gehörte. Er scheint sehr viel Zeit in diese Technik des Radierens investiert zu haben, obwohl er – es war zu Beginn seiner blauen Periode – kaum Bilder verkaufen konnte. Die ersten Abzüge verschenkte er an Kollegen, und erst später konnte sein Galerist Ambroise Vollard eine Auflage drucken, die über den Kunstmarkt verkauft wurde. Mit dieser Druckgrafik gelang Picasso ein Meisterwerk, dessen differenzierte Graubabstufungen malerische Qualitäten aufweisen.”
Anita Haldemann

Pablo Picasso, Esquisse pour «les Demoiselles d’Avignon», März/April, 1907
Pablo Picasso, Esquisse pour «les Demoiselles d’Avignon», März/April, 1907

Esquisse pour «les Demoiselles d’Avignon», Étude pour «les Demoiselles d’Avignon»
“Diese beiden Zeichnungen sind Geschenke: Die rechte Skizze behielt Picasso sechzig Jahre lang in seinem Atelier, schenkte sie nach der Volksabstimmung im Jahre 1967 dem Kunstmuseum Basel. Die linke Skizze, die etwas später entstanden ist, hat uns Douglas Cooper geschenkt, ein enger Freund von Picasso, einfach weil er so begeistert war von der Basler Kubismus-Sammlung. Insgesamt hat Picasso für sein wohl bedeutendstes Werk Les Demoiselles d’Avignon 19 Vorzeichnungen gefertigt und diverse kleine «Carnets» mit diesem Motiv gefüllt. Er brauchte einfach eine gewisse Zeit, um dieses Motiv zu entwickeln und so radikal werden zu lassen.
Picasso hat hier ein Motiv des 19. Jahrhunderts, eine Bordellszene, genommen und alle narrativen Elemente weggelassen und verbindet die schon fast aggressiv wirkende kommerzielle Sexualität dieser Frauen mit der afrikanischen Skulptur, die fremd, archaisch und wild wirkt. Zusätzlich zu seiner neuen Formenspache, macht diese Verbindung, auf revolutionäre Art das Moderne in diesen Werken aus.”
Anita Haldemann

Pablo Picasso, Femme au béret orange et au col de fourrure, 1937
Pablo Picasso, Femme au béret orange et au col de fourrure, 1937

Femme au béret orange et au col de fourrure, 1937
“Dies ist unser Plakatmotiv, und es handelt sich nun wirklich um eine Trouvaille. Nachdem Picasso dieses Bild gemalt hatte, wurde es nur ein einziges Mal ausgestellt, sehr kurz in der Galerie Beyeler. Ein Basler Sammler hat es damals gekauft und es wurde nie wieder ausgeliehen, nie wieder ausgestellt. Niemand kannte dieses Gemälde.
An diesem Bild lässt sich gut erklären, wie man Picas-sos Modelle erkennen kann: Klassisch, blond und eine Nase, die gerade in einer Linie in die Stirn übergeht – das ist Marie-Thérèse Walter. Braune Haare und das Gesicht in einzelne Anatomieteile zerstückelt und kompliziert – das ist die schwierige Dora Maar. Es war die Zeit, in der Picasso in einer Vierecks-Beziehung lebte, und Dora Maar, selbst eine Künstlerin, eine Fotografin, die sich im Surrealisten-Zirkel bewegte, war sicherlich die anspruchvollste und stärkste Geliebte Picassos.”
Nina Zimmer

Max Ernst: Der Künstler, der sich nicht finden wollte

Ein Maler ist verloren, wenn er sich findet», bemerkte Max Ernst (*1891 in Brühl – †1976 in Paris) in einem berühmten Ausspruch. Tatsächlich gehört der Künstler zu den vielseitigsten und wechselhaftesten der Moderne. Immer wieder hat sich Max Ernst im Laufe seines Lebens und Werks neu erfunden und dabei fortwährend mit neuartigen Techniken wie etwa der Collage, Frottage oder Dekalkomanie experimentiert. So entstand ein einzigartiges Gesamtwerk aus (alb-)traumartigen Bildern, mysteriösen Landschaften und fantastischen Kreaturen, das sich jeder klaren stilistischen Definition entzieht und dessen Entwicklung vom bewegten Leben und den wechselnden Aufenthaltsorten des Künstlers in Europa und Amerika mitgeprägt wurde. Max Ernst: Der Künstler, der sich nicht finden wollte weiterlesen