Kunstmuseum Basel: Fotograf unbekannt, Badende (Coney Island), 1950–1960

The Incredible World of Photography

Kunstmuseum Basel | 18.07.2020 – 04.10.2020

Mit der Ausstellung The Incredible World of Photography feiert das Kunstmuseum Basel gleich zwei Premieren: Erstmals wird ein umfassendes Porträt der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog in der Schweiz gezeigt und für das Kunstmuseum ist es die erste Ausstellung, die sich mit der Geschichte der Fotografie befasst. 

Ein Flohmarktfund in den 1970er-Jahren hat zur Entstehung der einmaligen Fotosammlung Ruth und Peter Herzog geführt, die nunmehr über 500 000 Fotografien umfasst. Die Bestände der Fotosammlung reichen aus der Frühzeit des Mediums bis in die 1970er-Jahre, sodass alle wichtigen Entwicklungen der analogen Fotografie vertreten sind. Gerade für das 19. Jahrhundert hat das Sammlerpaar wichtige Entdeckungen gemacht, die das Verständnis für die bewegte Geschichte der Fotografie erweitert haben. Heute gehören Ruth und Peter Herzog zu den wichtigsten Fotosammlern weltweit.

Unbekannt; Frau auf einem Balkon in Paris; 1912-1915
Unbekannt; Frau auf einem Balkon in Paris; 1912-1915

Ruth und Peter Herzog haben nichts Geringeres als eine fotografische Enzyklopädie des Lebens im Industriezeitalter geschaffen. Die Myriaden anonymer Meisterwerke bringen eine schier unüberschaubare Menge von Motiven und Themen rund um den Globus ans Licht und zeigen, wie Fotografie Geschichte(n) erzählt. In der Gesamtheit ermöglicht die Sammlung verschiedene Zugänge, um der Welt mit und in der Fotografie auf den Grund zu gehen. Dabei wird eins deutlich: Die Fotografie gibt es nicht. Vielmehr entfaltet jede einzelne Fotografie ein dichtes Netz aus sozialen, institutionellen und historischen Beziehungen.

Auftakt zu langfristiger Kooperation 

Die rund 400 Exponate aus dem umfassenden Bestand stellen ausgewählte Schwerpunkte der einzigartigen Sammlung vor. Dazu gehören insbesondere die Amateurfotografie, die kommerzielle und wissenschaftliche Fotografie des 19. Jahrhunderts sowie die Werbe- und Pressefotografie des 20. Jahrhunderts. Wir zeigen bisher nie gesehene Werke von Schweizer und internationalen Fotograf*innen. Während der einzelne Abzug die bevorzugte Form der Fotografie in Kunstmuseen ist, präsentiert die Ausstellung die materielle Vielfalt fotografischer Objekte. Dazu gehören Daguerrotypien, Ambrotypien, Ferrotypien, Salzpapierabzüge, Albuminpapierabzüge, Autochrome und Silbergelatineprints.

Léon Gimpel, Anaglyph vom Mond, 1923
Léon Gimpel, Anaglyph vom Mond, 1923

Die Ausstellung ist der Auftakt einer langfristigen Kooperation des Kunstmuseums Basel mit dem Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel, dem die Fotosammlung Ruth und Peter Herzog seit 2015 angehört. Das Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel, stellt nicht nur die wertvollen Leihgaben zur Verfügung, sondern konzipierte für das Kunstmuseum auch eine innovative Ausstellungsarchitektur, die unmittelbar aus der Arbeitssituation im Kabinett und aus den Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit dem reichen Spektrum historischer Fotografien und ihrer Materialität entwickelt wurde. Sie ist geprägt von Überlegungen zu Wahrnehmung und Präsentation der oft kleinformatigen und lichtempfindlichen Objekte. Die Vielfalt der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog und ihr Charakter als eine «Enzyklopädie des Lebens» (Martin Heller, 1989) werden in einen Parcours aus neun aufeinander folgenden Räumen übersetzt. Jeder Raum ist so gestaltet, dass sich den Besucher*innen verschiedenartige visuelle Zugänge bieten, um in Motive und Themen einzutauchen: Von der Betrachtung einzelner Objekte in Auslegeordnungen auf Tischen bis hin zu Wandprojektionen von Einzelbildern. 

Unbekannt, Werbeaufnahme für Sofamöbel, um 1950
Unbekannt, Werbeaufnahme für Sofamöbel, um 1950

An ausgewählten Stellen bringt die Ausstellung die historischen Originalaufnahmen mit Hauptwerken des Kunstmuseums Basel und Leihgaben aus der Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung zusammen, darunter Gemälde von Vincent van Gogh und Robert Delaunay, Arbeiten auf Papier von Andy Warhol und Martin Schongauer, aber auch Fotografien von Thomas Demand und Bernd und Hilla Becher. Anhand dieser Konstellationen wird das spannungsvolle Verhältnis zwischen Fotografie und Kunst in den Blick genommen und nach motivischen und formalen Korrespondenzen sowie nach (verhandelbaren) Grenzen gefragt. Der wechselseitige Einfluss wird exemplarisch anhand von Grundfragen der Fotografie vermittelt, zum Beispiel Serialität, Reproduktion und dem Verhältnis zu Farbe beziehungsweise ihrer Absenz. 

Interaktive Installation

Grundlage für die Arbeit an der Ausstellung The Incredible World of Photography ist ein anspruchsvolles Inventarisierungs- und Digitalisierungsprojekt des Bestandes der Fotosammlung Ruth und Peter Herzog, das vom Jacques Herzog und Pierre de Meuron Kabinett, Basel, seit 2015 durchgeführt wird. Aus diesen digitalen Beständen hat das Studio für mediale Architekturen iart zusammen mit Studierenden vom Bachelor-Studiengang Digital Ideation der Hochschule Luzern eine interaktive Installation in der Ausstellung erarbeitet. Die Installation ermöglicht den Besucher*innen einen individuellen Zugang zur umfangreichen Sammlung.

Kuratoren der Ausstellung: Olga Osadtschy, Paul Mellenthin 

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