Vitra Design Museum
26. September 2026 bis 28. Februar 2027
Geoffrey Bawa (1919–2003) zählt zu den einflussreichsten Architekten Asiens im 20. Jahrhundert. Seine Laufbahn erstreckte sich über fünf Jahrzehnte und umfasst mehr als 200 Projekte – von Privathäusern, Schulen, Hotels und Fabriken bis zum Parlamentsgebäude Sri Lankas. In seinen Bauten verband Bawa die Prinzipien der Moderne mit der reichen Architekturgeschichte seines Heimatlandes und entwickelte so eine einzigartige Formensprache. Ab dem 26. September zeigt das Vitra Design Museum eine umfassende Retrospektive seines Schaffens. »Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne« vereint über 250 Exponate, darunter Zeichnungen, Modelle, Möbel, Filme, Kunstwerke und Fotografien von Bawa selbst. Ergänzt wird die Ausstellung durch neu entstandene Aufnahmen des Fotografen Iwan Baan, die den gelebten Charakter zentraler Bauten eindrucksvoll einfangen. Die von der renommierten Architektin Lina Ghotmeh gestaltete Szenografie greift die sinnliche Kraft von Bawas Architektur auf und verwandelt das Vitra Design Museum in einen immersiven Raum.
![Luftaufnahme, Number 11 [Haus für Geoffrey Bawa], Colombo, Sri Lanka. Foto: Iwan Baan, 2026 © Iwan Baan](https://www.artinside.ch/wp-content/uploads/2026/09/VDM_Geoffrey-Bawa_1377de1ab2-1040x693.jpg)
Es war ein Credo Bawas, dass sich “Architektur nicht vollständig erklären lässt, sondern erlebt werden muss”. Entsprechend verstand er Gebäude nicht als statische Kulissen, sondern als räumliche Erzählungen, in denen die monumentale Natur Sri Lankas oft eine Hauptrolle spielt. Projekte wie der Polontalawa Estate Bungalow (1963–67) oder das Jayewardene House (1997–98) zeigen exemplarisch, wie seine Entwürfe unmittelbar auf das vorgefundene Terrain reagieren, indem sie Höhenunterschiede und Geländeverläufe aufgreifen und selbst Elemente wie Felsen und Bäume nahtlos einbeziehen.
Ein weiteres zentrales Ausstellungsthema ist Bawas enge Kooperation mit bedeutenden KünstlerInnen und HandwerkerInnen Sri Lankas, darunter Ena de Silva, Laki Senanayake und Barbara Sansoni. Deren Werkstätten waren als soziale Unternehmen organisiert und leisteten einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung und Beschäftigung in den lokalen Gemeinschaften. Ihre Batiken, Skulpturen und Textilien sind in Bawas Bauten keine dekorativen Ergänzungen, sondern integrale Bestandteile des räumlichen Erlebnisses, die die Grenzen zwischen Architektur, Kunst und Design aufheben.
Bawa gilt allgemein als Pionier der Tropischen Moderne in der Architektur, doch die Ausstellung zeichnet ein differenzierteres Bild seines Schaffens. Sie rückt Themen wie künstlerische Kooperation, Ökologie sowie den komplexen politischen Kontext von Bawas Oeuvre in den Mittelpunkt und zeigt den Architekten als Wegbereiter einer nachhaltigen und sozial verantwortungsvollen Baupraxis, der heute von ArchitektInnen weltweit wiederentdeckt wird.
Die Ausstellung vereint eine umfangreiche Auswahl an Objekten, Modellen und Dokumenten aus dem Bestand des Geoffrey Bawa Trust, der heute den Nachlass des Architekten bewahrt, ergänzt durch Archivfotografien von Sebastian Posingis und Dominic Sansoni. Neue Fotografien und Filme erweitern diese Perspektive und machen seine Bauten und ihr heutiges Leben atmosphärisch erfahrbar. »Geoffrey Bawa. Architektur für die Sinne« entstand als Koproduktion des Vitra Design Museums mit dem Museum M+ für zeitgenössische visuelle Kultur in Hong Kong, der deutschen Wüstenrot Stiftung und dem Geoffrey Bawa Trust.
Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog mit Essays, Projektbeschreibungen sowie Interviews mit den ArchitektInnen Kengo Kuma, Tatiana Bilbao, Marina Tabassum und Lina Ghotmeh.

