Museum Tinguely
3. Dezember 2025 – 10. Mai 2026

Nature Never Loses beleuchtet sechs Jahrzehnte des visionären, sich jeglicher Kategorisierung verweigernden Œuvres des 1942 in San Francisco geborenen Künstlers Carl Cheng, der heute in Santa Monica lebt und arbeitet. Cheng studierte bildende Kunst und Industriedesign und begann seine künstlerische Karriere in den 1960er Jahren in Südkalifornien vor dem Hintergrund politischer Unruhen, einer interdisziplinären Kunstszene, einer nach dem Krieg boomenden Raum- und Luftfahrtindustrie sowie einem sich rasch verändernden Landschaftsraum. Für sein sich beständig weiterentwickelndes Gesamtwerk greift Cheng auf eine Vielzahl an Materialien und Medien zurück, er thematisiert eine im Wandel begriffene Umwelt, die Bedeutung von Kunstinstitutionen für deren Besucher:innen, die Rolle der Technologie für die Gesellschaft – allesamt dringliche Themen mit Gegenwartsbezug. Das kongeniale Vokabular des Künstlers, der zunächst für seine fotografischen Skulpturen Anerkennung fand, umfasst seine Art Tools, mit deren Hilfe er flüchtige Werke kreiert, Naturmaschinen, die einer artifiziellen, von Menschen geschaffenen Welt vorgreifen, sowie Interventionen im öffentlichen Raum, mit denen er ein breites Publikum erreichen will.

Ab 1966 betrieb Cheng sein Atelier unter dem Namen John Doe Co. Neben ursprünglich praktischen Gründen war es sein Mittel der Wahl, um sich über die Kommerzialisierung der Kunst und der Künstler-Marke lustig zu machen und gleichzeitig die Unternehmenskultur sowie die Diskriminierung, die er als Amerikaner asiatischer Herkunft während der Zeit des Vietnamkrieges erlebte, zu thematisieren. Als John Doe Co. schuf er skulpturale «Produkte», die sein Verständnis von Technologie als künstlerisches Werkzeug und seine Skepsis gegenüber dem neoliberalen Verständnis von Fortschritt zum Ausdruck bringen, die sowohl den Kunstmarkt als auch die Tech-Industrie geprägt haben.

Carl Cheng, Erosion Machine No. 4, 1969-2020, Courtesy the artist and Philip Martin Gallery, Los Angeles; Foto: Jeff McLane
Carl Cheng, Erosion Machine No. 4, 1969-2020, Courtesy the artist and Philip Martin Gallery, Los Angeles; Foto: Jeff McLane

Die Grosszügigkeit, Ehrfurchtslosigkeit und Verspieltheit, von denen Chengs Werke durchdrungen sind, stehen im Gleichklang mit den organischen Materialien, derer er sich bedient, und einem besonderen Interesse, Kunst für den öffentlichen Raum zu schaffen. Dabei ist der Künstler sehr konsequent Fragen nach der Handlungsmacht der Natur und den Auswirkungen, die der menschliche Raubbau für die Umwelt hat, nachgegangen und hat in seinen häufigen – teils humorvollen, visionären und hoffnungsvollen – Erklärungen resümiert, dass «die Natur niemals verliert», «die Natur immer gewinnt» und «die Natur alles ist».

Das könnte Sie auch interessieren

Schreibe einen Kommentar