Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet
Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Dübi-Müller
Kunstmuseum Basel
19. September 2026 bis 7. Februar 2027
Sie war eine der bedeutendsten Kunstsammler:innen der Schweiz, passionierte Fotografin, Autofahrerin, Bergsteigerin, und sie stand Modell für Ferdinand Hodler und andere Kunstschaffende: Das Kunstmuseum Basel zeigt mit Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet die erste umfassende Ausstellung über Gertrud Dübi-Müller (1888, Solothurn–1980, Solothurn). Rund achtzig Werke von renommierten Künstler:innen aus ihrer internationalen Sammlung, eindrucksvolle Fotografien und bislang unveröffentlichte Dokumente beleuchten Dübi-Müllers Leben und machen ihren Einfluss auf die Kunst- und Kulturgeschichte erstmals in diesem Umfang sichtbar.
Gertrud Dübi-Müller kam schon in jungen Jahren durch Malunterricht beim Schweizer Künstler Cuno Amiet (1868–1961) mit Kunst und der Kunstwelt in Berührung. Nach dem Verlust der Eltern im Kindesalter war sie früh finanziell unabhängig. Kaum volljährig, erwarb sie Vincent van Goghs Porträt Charles-Elzéard Trabuc (1889) und baute darauf eine einzigartige Sammlung moderner Kunst auf, in der sich Werke von Paul Cezanne (1839–1906), Giovanni Giacometti (1868–1933), Ferdinand Hodler (1853–1918), Gustav Klimt (1862–1918) und Henri Matisse (1869–1954) befanden.
Die Sammlerin war mit zahlreichen Künstler:innen befreundet, darunter Alice Bailly (1872–1938), Giacometti und Hodler. «Lieber langsamer bis Paris fahren als schnell unterwegs abkarren (umgangssprachlich für sterben). Ich bin dann nicht da, um Sie fortwährend zur Mässigung zu warnen», schrieb ihr Hodler, mit dem sie sich besonders verbunden fühlte und der sie in 17 Bildnissen verewigte; so stand sie beispielsweise Modell für das grossformatige Gemälde Blick ins Unendliche(1913/14–1916) aus der Sammlung des Kunstmuseums Basel.
Mit ihrer Fotokamera dokumentierte Dübi-Müller nicht nur das Leben befreundeter Künstler:innen, sondern auch ihr eigenes: Dazu gehörten Zeppelinflüge und Reisen durch Europa und bis nach Nordafrika. Mit einem Cabriolet der Schweizer Marke Piccard-Pictet, dem wohl ersten Auto im Kanton Solothurn, unternahm sie zahlreiche Fahrten in europäische Kunsthauptstädte wie Berlin, Paris, Rom und Wien sowie in die Schweizer Alpen. Ihre anspruchsvollen Bergtouren, darunter eine Besteigung des Matterhorns, unterstreichen die aussergewöhnliche Unabhängigkeit für eine Frau ihrer Zeit und machen die selbstbestimmte Solothurnerin zu einer bemerkenswerten Persönlichkeit, deren Lebensweg und Engagement für die Kunst heute noch nachwirken.
Bereits Wilhelm Barth (1869–1934), von 1909 bis 1934 Direktor der Kunsthalle Basel, wollte unbedingt eine Ausstellung über die Sammlung von Dübi-Müller und ihrem Bruder Josef Müller (1887–1977) in Basel zeigen und hatte sie mehrfach angefragt. Es kam jedoch nie dazu. Das Kunstmuseum zeigt nun rund 100 Jahre später die erste umfassende Ausstellung in Basel und betont damit, dass sie nicht nur für Solothurn, sondern für die ganze Schweiz und über die Grenzen hinaus eine bedeutende Figur im europäischen Kunstbetrieb der Moderne war.
Die Ausstellung Van Gogh, Hodler und ein Cabriolet. Die Sammlerin und Pionierin Gertrud Dübi-Müller versammelt herausragende Werke internationaler Künstler wie Paul Cezanne, Gustav Klimt und Vincent van Gogh sowie bedeutender Schweizer Künstler:innen wie Cuno Amiet, Alice Bailly, Giovanni Giacometti und Ferdinand Hodler. Neben den Arbeiten aus dem Kunstmuseum Solothurn werden Werke aus weiteren Schweizer Museen sowie von privaten Leihgebenden gezeigt, die einst Teil von Dübi-Müllers Sammlung waren. Eigene Fotografien und solche von anderen, bisher unveröffentlichte Briefe und von Hand gemalte Postkarten von Künstler:innen und Kulturschaffenden an Dübi-Müller eröffnen einen intimen Einblick in ihr Leben und Netzwerk.
Das Ehepaar Dübi-Müller gründete 1964 die Dübi-Müller-Stiftung, um die Bestände ihrer damaligen Sammlung zu erhalten und die 190 Werke der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Josef Müller gründete 1969 die Josef-Müller-Stiftung mit 55 Werken. Beide Stiftungen wurden mit ihren Werken in das Kunstmuseum Solothurn integriert, das heute noch den Kernbestand der Sammlung von Gertrud Dübi-Müller bewahrt.
Die Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Kunstmuseum Solothurn entstanden. Hinzu kommen zahlreiche Leihgaben der Fotostiftung Schweiz in Winterthur, die Dübi-Müllers fotografischen Nachlass verwaltet.

